Chronologie: Von der PR-Affäre bis zum Showdown in Nürnberg

Überblick der wichtigsten Vorkommnisse

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Florian Gerster, stand seit vergangenem Jahr wegen hochdotierter Beraterverträge unter Beschuss.

April 2002:
Der SPD-Politiker Gerster wird neuer Vorstandschef der damaligen Bundesanstalt für Arbeit. Er tritt die Nachfolge von Bernhard Jagoda an, der seinen Posten wegen geschönter Vermittlungsstatistiken abgeben musste.

23. November 2003:
Durch Medienberichte wird bekannt, dass Gerster mit dem Vorstand der Berliner Beratungsfirma WMP, Bernd Schiphorst, einen hochdotierten Beratervertrag abgeschlossen hat. In der Folge wird bekannt, dass der Vertrag ein Gesamtvolumen von 1,3 Millionen Euro hat und nicht ausgeschrieben wurde.

25. November 2003:
Der Bundesrechnungshof kündigt eine Prüfung des Vorgangs an.

26. November 2003:
Die Firma WMP beendet ihre Beratertätigkeit für die Bundesanstalt für Arbeit. Beide Seiten einigen sich auf eine vorzeitige Vertragsauflösung.

28. November 2003:
Gerster nimmt erstmals vor dem Wirtschaftsausschuss des Bundestages zu den Vorwürfen Stellung. Er verteidigt den Vertragsabschluss ohne Ausschreibung mit dem extrem schlechten Ansehen seiner Behörde, das rasches Reagieren erforderlich gemacht habe. Bereits zuvor hatte die Bundesregierung Gerster mehrfach den Rücken gestärkt.

16. Januar 2004:
Durch Medienberichte wird bekannt, dass Gerster seit September 2002 mit dem Münchner Unternehmensberater Roland Berger sechs Verträge mit einem Gesamtvolumen von 12,5 Millionen Euro abgeschlossen hat. In der Folge wird berichtet, Gerster habe mit insgesamt fünf Beraterfirmen Vereinbarungen in Höhe von insgesamt 38 Millionen Euro getroffen.

20. Januar 2004:
In der mittlerweile Bundesagentur für Arbeit genannten Behörde sollen Presseberichten zufolge neue Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der Millionen-Aufträge aufgedeckt worden sein. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) nimmt Gerster aber erneut in Schutz.

21. Januar 2004
Der Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit (BA) gibt bekannt, sich am Wochenende auf einer Sondersitzung mit den Vorwürfen gegen Gerster zu befassen.

22. Januar 2004
Die Bundesregierung bereitet sich Medienberichten zufolge auf eine Ablösung Gersters vor. Als chancenreich gilt demnach der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Gerd Andres (SPD). Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement bezeichnet entsprechende Meldungen als „Quatsch“. Gerster sagt für Freitag die Messeeröffnung „Karrierestart 2004“ in Dresden ab.

23. Januar 2004
Nach den Worten des nordrhein-westfälischen Arbeitsministers Harald Schartau (SPD) steht Gerster vor der Ablösung.

Nach ARD-Informationen entlastet der interne Revisionsbericht den Behörden-Chef zwar, weil von 48 geprüften Verträgen nur zwei beanstandet werden.

24. Januar 2004
Der Verwaltungsrat der Bundesagentur für Arbeit hat Gerster das Vertrauen entzogen. Die Entscheidung gab die stellvertretende DGB-Vizechefin Ursula Engelen-Kefer bekannt, die Vorsitzende des Verwaltungsrats ist. Sie sei mit 20 zu einer Stimme im Verwaltungsrat gefallen, sagte sie.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement entlässt Gerster. Clement hielt die Entlassung Gersters nach dem Votum des Verwaltungsrates für „unausweichlich“.

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