Vergewaltigung als Waffe (Bericht vom 1.2.2004)

Schätzungsweise drei Millionen Menschen sind in fünf Jahren Bürgerkrieg in Kongo getötet worden. Doch erst jetzt, wo der Krieg zu Ende geht und UN-Truppen in die betroffenen Gegenden vorrücken, wird der ganze Horror sichtbar, dem die Bevölkerung ausgesetzt war. So wurden systematisch Frauen vergewaltigt, um ganze Stämme zu zerstören. Der britische Fernsehsender BBC hat in Kongo einen bedrückenden Bericht über die Vergewaltigung als Waffe gedreht, den Sabine Reifenberg bearbeitete. Spenden können wie folgt eingezahlt werden:

humedica
Kontonummer: 4747
Sparkasse Kaufbeuren
BLZ: 734 500 00
Stichwort: „DOCS-Goma“

Von Fergal Ceane, BBC, und Sabine Reifenberg, ARD-Studio London

In den Bergen oberhalb von Goma: Ein BBC-Team dreht dort, wo Soldaten seit Jahren töteten, raubten und systematisch vergewaltigten. Im Dorf Kitchanga wollen ihre Opfer nicht länger schweigen. Sie erzählen dem britischen Team, was ihnen angetan wurde. Vumi Lukindo ist 16 Jahre alt. Ihre Wunden sind so schmerzhaft, dass sie nicht sitzen kann – Urin rinnt ständig ihre Beine herunter, weil sie inkontinent ist.

„Sie hetzten zuerst ihren Hund auf uns“, berichtet das Mädchen. „Dann haben mich die vier Männer wiederholt vergewaltigt, obwohl ich im neunten Monat schwanger war. Sie steckten Äste in meinen Körper, so dass mein Kind starb.“

In den vergangenen sechs Monaten hat ein benachbartes Krankenhaus über 1000 Frauen behandelt – alle Vergewaltigungsopfer. Wie die 40-jährige Kahindo Ndasimwa, die mehrfach missbraucht wurde. Oder die 25-jährige Bahati Ndasimwa, die nicht mehr zählen konnte, wie viele Männer sich an ihr vergingen. Die 24-jährige Furaha Mapendo wurde in den Dschungel verschleppt, dort festgebunden und eine ganze Nacht lang gequält.

Vergewaltigung als Mittel des Krieges – erst jetzt kommen hier allmählich die Ausmaße zutage. Männer mit Waffen begingen unvorstellbare Gräueltaten – unbeobachtet von der Weltöffentlichkeit. „Es gibt so viele Geschichten, die uns hier Tränen vergießen lassen“, erzählt Jeanne Banyere. Sie ist Beraterin der Women’s Protestant Foundation. „Sogar neunjährige Kinder trifft die Gewalt.

Hilfe gibt es nur in der Stadt

Im Goma widmet sich ein Krankenhaus den Vergewaltigten – denen, die es in die Stadt schaffen, aus ihren entlegenen Dörfern. Alle leiden an den Folgen gewaltsamer innerer Verletzungen. Einer Frau hatte ein Soldat die Gewehrmündung in den Genitalbereich gesteckt und abgedrückt – sie überlebte wie durch ein Wunder. Die Opfer brauchen Operationen, um die demütigende Folge ihres grausamen Missbrauchs zu beheben – dauerhafte Inkontinenz.

Mit wenig Geld und wenigen Mitteln, aber großer Hingabe, versuchen die Ärzte zu helfen. Es braucht meist mehrere Eingriffe, bis die Inkontinenz behoben werden kann. Und die Frauen wieder in ihre Gemeinden zurückkehren dürfen, aus denen sie verstoßen wurden – wegen des Urin- und Fäkalgeruchs.

„Es ist sehr traumatisch, weil bisher nur die Männer geredet haben, die an der Macht sind“, kritisiert der Chirurg Longombe Ahuca. „Doch die Kriegsopfer haben keine Macht – deshalb ist es so wichtig, dass die Welt von ihnen erfährt.“

Vergewaltigung ist ein Kriegsverbrechen, aber im chaotischen Kongo gibt es wenige Verhaftungen. Am dringendsten wird jetzt Geld gebraucht, für die Behandlung in den Krankenhäusern. Um Frauen wie der 16-jährigen Vumi Lukindo zu helfen – die so mutig war, der BBC ihre grausame Geschichte zu erzählen.

Original, Google Cache, archive.org

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