Sittenwächter setzen CDs auf den Index

„Echt krass“ ist das, was in vielen Titeln des neuen deutschen Rap „abgeht“: Bei der Bundesprüfstelle landen immer häufiger CDs, deren Inhalt nicht jugendfrei ist und die daher auf den Index gesetzt werden. Jetzt fielen bei den Prüfern nach der CD „AGGRO Ansage Nr. 3“ auch „AGGRO Ansage Nr. 2“ und „King of Kingsz“ von Bushido durch. Sie dürfen nur noch an Erwachsene abgegeben und nicht mehr offen verkauft werden. Die CD „AGGRO Ansage Nr. 1“ ist hingegen nicht indiziert worden.

Experten sehen die Würde der Frau verletzt

Das Urteil der Prüfer dürfte bei einem Blick auf die Songtitel und Textinhalte für viele Eltern leicht nachvollziehbar sein. Die Songs heißen zum Beispiel „Pussy“ und „Psycho Neger B“, das Wort „Ficken“ ist allgegenwärtig. Die Berliner Getto-Rapper verletzten in hohem Maße die Würde der Frau und zeichneten ein menschenverachtendes Bild, urteilten die Experten der BPjM. All das widerspreche dem Ziel, Kindern und Jugendlichen die Achtung vor Mitmenschen zu vermitteln und liebevolle Partnerschaften stark zu machen.

Vom Bannstrahl der Bonner Sittenwächter bislang nicht betroffen ist der zu „Aggro Berlin“ gehörende Erfolgsrapper Sido. Seinen „Arschficksong“ untersuchten die Prüfer der BPjM nicht, weil die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) das Video zum Song bereits für 16-Jährige freigegeben hat. Über die Sido-CD „Die Maske“ werde hingegen noch verhandelt, sagte Petra Meier von der Bundesprüfstelle.

Soziologe verteidigt vulgäre Wortwahl

Die SPD-Kulturexpertin Monika Griefahn forderte angesichts des Gewalttrends im Deutsch-Rap die Radiostationen und Musiksender auf, ihrer Kontrollpflicht gewissenhafter nachzukommen. Andernfalls müsse man über ein Sendeverbot durch die Landesrundfunkanstalten nachdenken. Verteidiger des Getto-Rap verwiesen hingegen auf die Funktion der vulgären Sprache in den Songs. Die derbe Wortwahl der Rapper spiegele deren Erlebniswelt wider, sagte der Kultursoziologe Roland Seim. Sie gäben durch ihre Texte ihren Frustrationen Ausdruck. Außerdem handele es sich mehr um „Attitüden“ und Floskeln, die nicht wörtlich genommen werden dürften, meinte Seim.

Original, Google Cache, archive.org

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