„Tookie“ Williams in USA hingerichtet

Der verurteilte vierfache Mörder Stanley „Tookie“ Williams ist im US-Bundesstaat Kalifornien hingerichtet worden. Kurz nach Mitternacht wurde ihm im Gefängnis San Quintin nördlich von San Francisco das tödliche Gift gespritzt. Die Wächter hätten zwölf Minuten gebraucht, um eine Einstichstelle an Williams linkem Arm zu finden, berichteten Augenzeugen. Angaben des Gefängnisses zufolge hatte der Schwarze auf die übliche Henkersmahlzeit verzichtet. „Er sagte zu mir: ‚Weint nicht, wir wollen stark bleiben'“, erzählte der US-Bürgerrechtler Jesse Jackson.

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Wenige Stunden vor Williams‘ Hinrichtung hatte der Oberste Gerichtshof der USA eine Aussetzung der Exekution des Ex-Bandenchefs abgelehnt. Auch Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger wollte gegenüber „Tookie“ Williams keine Gnade walten lassen: Das Gnadengesuch des 51-Jährigen lehnte er ab.

Schwarzenegger zeigt keine Gnade

Schwarzenegger warf dem Afroamerikaner vor, die von ihm begangenen Morde nicht gestanden und nicht bereut zu haben. Angesichts der Beweislage gebe es keinen Zweifel an der Schuld des damals 25-Jährigen, so Schwarzenegger bei seiner Begründung. Der kalifornische Gouverneur betonte, die Prüfung von Gnadengesuchen sei „immer schwierig“, und dieser Fall bilde „keine Ausnahme“. Nachdem er die Beweislage geprüft, der Geschichte der vier Morde nachgegangen, sich die Argumente angehört und „mit den weitreichenden Konsequenzen“ seiner Entscheidung gerungen habe, habe er jedoch keine Gründe für eine Begnadigung ausmachen können. Die „Fakten“ rechtfertigten es nicht, das Urteil der Geschworenen und die Entscheidungen der Gerichte aufzuheben.

Der Fall hatte in den USA großes Aufsehen erregt und die Debatte um die Todesstrafe neu entfacht, weil der frühere Bandenchef Williams mehrere Bücher schrieb, in denen er junge Menschen vor Straßengangs und vor Gewalt warnt. Williams‘ Anhänger hatten sich in einem Brief noch einmal direkt an Schwarzenegger gewandt. Sie erklärten, es sei ein neuer Zeuge aufgetaucht, der die Unschuld des Verurteilten beweisen könne. Bis zuletzt hatten Bürgerrechtler wie Jesse Jackson oder die Menschenrechtsaktivistin Bianca Jagger für eine Begnadigung Williams‘ gekämpft. 50.000 Menschen in den USA unterzeichneten eine Petition für den Häftling.

„Kalifornien hat einen unschuldigen Mann getötet“

„Wir werden Williams Unschuld noch beweisen“, sagte die Aktivistin und Williams-Unterstützerin Barbara Becnel kurz nach der Hinrichtung. „Wir werden zeigen, dass Arnold Schwarzenegger ein kaltblütiger Killer ist“. Die Afroamerikanerin, die Williams bei der Veröffentlichung seiner Bücher half, rief als Zeugin in der Todeskammer aus: „Der Staat Kalifornien hat gerade einen unschuldigen Mann ermordet“.

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Mit seiner Entscheidung wies Schwarzenegger bereits das dritte Gnadengesuch von Todeskandidaten während seiner Amtszeit ab. Doch eine Begnadigung hätte noch mehr konservative Wähler gegen Schwarzenegger aufgebracht, der erst kürzlich eine schwere Wahlschlappe einstecken musste, schätzte ein CNN-Kommentator die Entscheidung des Republikaners ein. Die Mehrheit der Kalifornier befürwortet die Todesstrafe.

Mit Büchern gegen Gewalt

Williams wurde 1981 schuldig gesprochen, einen Supermarktangestellten sowie zwei Motelbesitzer und deren Tochter erschossen zu haben. Gemeinsam mit einem Freund hatte er 1971 die Straßengang „Crips“ gegründet. Im Gefängnis sagte er sich von seiner Vergangenheit los und wurde zu einem Prediger gegen die Gewalt. Für seinen Einsatz wurde er in den vergangenen Jahren fünf Mal für den Friedensnobelpreis und vier Mal für den Literaturnobelpreis nominiert.

In einer ganzseitigen Anzeige in der „Los Angeles Times“ beschrieb er seine Läuterung in jahrelanger Einzelhaft und seine neue Lebensaufgabe: „Ich sehe es als meine gesellschaftliche Verpflichtung an, den Rest meines Lebens der Bekämpfung von Jugendgewalt zu widmen. Ich möchte die Menschheit davor bewahren, noch mehr Opfer zu erzeugen.“

Letzte Begnadigung vor 38 Jahren

Der letzte kalifornische Gouverneur, der einen Todeskandidaten begnadigte, war Ronald Reagan im Jahr 1967. Williams war der zwölfte Verurteilte, der seit Wiedereinführung der Todesstrafe in Kalifornien 1977 hingerichtet wurde.

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