New York improvisiert weiter

New York steht vor dem dritten Streiktag im öffentlichen Nahverkehr. Die Fronten sind weiter verhärtet. Während die Gewerkschaften ihren Arbeitskampf für höhere Löhne und ein niedrigeres Pensionsalter fortsetzen wollen, schließt Bürgermeister Michael Bloomberg ein Nachgeben der Verkehrsbetriebe weiter aus: „Wenn der Streik weitergeht, müssen wir da eben durch“.

Von Martina Buttler, ARD-Hörfunkstudio New York

Die New Yorker zeigen immer mehr, dass sie eine verschworene Gemeinschaft sind. Im Internet verabreden sich Leute, um gemeinsam den kilometerlangen Fußweg über die Brücken zur Arbeit zurückzulegen. Viele Autofahrer nehmen Wildfremde mit. Die Pendler helfen sich gegenseitig. Und zeigen der Welt, dass sie hart im Nehmen sind.

Gleichzeitig wächst der Unmut den Streikenden gegenüber. Der Weg zur Arbeit ist nicht nur bitterkalt, sondern für viele auch teuer. Manche zahlen 30 Dollar pro Tag. Das können sich viele nicht länger leisten. Schliesslich bekommt niemand das Geld zurück.

Einige Taxifahrer außerhalb Manhattans haben Probleme, ihre Wagen überhaupt voll zu bekommen: „Die Leute haben kein Geld, sie brauchen eher welches“, meint ein Fahrer. Andere haben hingegen inzwischen festgestellt, dass sie am Streik auch ganz gut verdienen können und verlangen horrende Preise. Bürgermeister Bloomberg hat das Problem auch schon erkannt. Er fordert alle, die von Taxifahrern über’s Ohr gehauen wurden auf, sich bei der Hotline der Stadt zu melden. Dem Preiswucher soll ein Riegel vorgeschoben werden.

Viele andere Branchen machen im Streik dicke Verluste und das wo doch in der Weihnachtszeit normalerweise das beste Geschäft des Jahres gemacht wird. Blumenhändler beziffern ihr Umsatzminus nach dem ersten Streiktag schon auf mindestens 80 Prozent, weil das Telefon nicht klingelt und die Laufkundschaft ausbleibt. Kleine Donutstände, die an U-Bahn-Stationen sonst gut verdienen, bangen jetzt um’s Überleben.

Um ihre Betriebe überhaupt in Gang zu halten, sind einige Unternehmen dazu übergegangen, Shuttle für ihre Angestellten zu organisieren. Krankenhäuser bieten ihrem Personal die freien Betten zur Übernachtung an. Einige Hotels versuchen Gäste mit Streik-Specials zu werben. Und während New York improvisiert, werden die Daumenschrauben bei den Gewerkschaftern angezogen. Sie sollen aufhören zu streiken, fordert Bloomberg und sucht vor Gericht Unterstützung.

Wenn er die Unterstützung erhält, müssten nicht nur die Gewerkschaften pro Streiktag eine Million Dollar Strafe zahlen. Dann würden auch die Streikenden selbst zur Kasse gebeten. Bisher verlieren sie pro Streiktag zwei Tage Lohn. Wenn das Gericht gegen die Streikenden entscheidet, könnten ihnen 25.000 Dollar Strafe pro Tag aufgebrummt werden. Und nicht nur deshalb ist klar, dass eigentlich alle nur noch ein Ende des Streiks herbeisehnen.

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