Erinnern an die Opfer der Todeswelle

Am ersten Jahrestag der Tsunami-Katastrophe haben Menschen in aller Welt an die mehr als 200.000 Opfer erinnert. In mehreren Ländern kamen Angehörige und Freunde bei Gedenkfeiern zusammen. Weil bei dem Beben auch viele Touristen ums Leben kamen, waren auch zahlreiche Ausländer in die betroffenen Regionen gereist.

Indonesien dankt für internationale Hilfe

In Indonesien, in der besonders stark betroffenen Provinz Aceh, erinnerte Staatschef Bambang Susilo Yudhoyono an die Toten. Es sei wichtig, nun auch nach vorne zu blicken. „Es geht heute, morgen und an dem Tag danach nicht darum, zu leiden, weil wir heute auch diejenigen ehren, die überlebt haben“, sagte er. „Sie alle wollen ihre Leben wieder aufbauen, man wird die Tsunami-Überlebenden überall sehen“, sagte Yudhoyono. Er danke der internationalen Gemeinschaft für ihre Unterstützung. Es gebe aber noch viel zu tun.

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Viele ausländische Trauergäste in Thailand

In Thailand, wo rund 5400 Menschen starben und fast 3000 immer noch vermisst werden, nahmen zahlreiche Ausländer an den Gedenken und Gebeten teil. Viele der nach Thailand Gereisten hatten vor einem Jahr Angehörige oder Freunde verloren oder waren der Welle selbst nur knapp entkommen. „Ich will einfach nur weinen“, sagte eine Australierin, die ein Hochzeitsfoto ihrer Tochter umklammerte. Diese war – im dritten Monat schwanger – vom Tsunami fortgerissen worden.

Thailands Ministerpräsident Thaksin Shinawatra legte den Grundstein für ein Mahnmal im Urlaubsort Khao Lak. Dort waren Dutzende Hotels in Strandnähe von der Flutwelle zerstört worden, viele Einheimische und Urlauber starben in den reißenden Wassermassen. „Wir hoffen, dass dieses Denkmal ein Symbol wird für unser Verständnis der Natur und für die Einheit der Menschen bei Naturkatastrophen“, schrieb er in ein Gedenkbuch. Schwedische Trauernde wateten vom nahe gelegenen Strand aus ins Meer, legten Gebinde aufs Wasser und sangen das Abba-Lied „I have a dream“.

Nicht weit entfernt von Khao Lak, auf der Insel Phi Phi, versammelten sich Überlebende der Katastrophe am Strand, setzten sich in den Sand und blickten schweigend aufs Meer hinaus. Vor einem Jahr waren auf der Insel etwa 700 Menschen ums Leben gekommen. „Es wird nie aufhören“, sagte eine Australierin, die ihren Ehemann verloren hatte. „Aber hoffentlich wird es etwas leichter, wenn erst dieser erste Gedenktag überstanden ist.“

Flaggen auf halbmast in Sri Lanka

In Sri Lanka, das ebenfalls von den heimtückischen Wellen betroffen war, wurden die Flaggen auf halbmast gesetzt. Präsident Mahinda Rajapakse ordnete zwei Schweigeminuten an. In Peraliya legte er einen Blumenkranz nahe der Stelle nieder, wo die Welle einen Zug unter sich begraben hatte. Über tausend Menschen – praktisch alle Passagiere des Zuges – kamen dabei ums Leben. Priester verschiedener Religionen – Hindus, Christen, Buddhisten und Moslems – sprachen Segenswünsche für die Opfer.

Im Osten des Landes – einer Region, die jahrzehntelang vom Bürgerkrieg zerrüttet war – erinnerten Einheimische mit Fotos und kleinen Schreinen an die Opfer der Flutwelle. Viele zerstörte Häuser und Gebäude sind noch nicht wieder aufgebaut – die Bewohner fürchten eine neue Welle der Gewalt. „Wir möchten gern wieder aufbauen, haben aber Angst vor einem Krieg“, sagte eine Einheimische.

15 Deutsche noch immer vermisst

Ein Erdbeben der Stärke 9 hatte am 2. Weihnachtsfeiertag 2004 eine bis zu zehn Meter hohe Flutwelle ausgelöst, von der mehrere Länder betroffen waren. Hunderttausende Bewohner und Urlauber in den Küstenregionen am Indischen Ozean wurden von den Wassermassen überrascht. Schätzungsweise 230.000 Menschen starben oder sind noch immer vermisst. 1,8 Millionen Menschen wurden obdachlos.

Unter den Opfern waren 537 Deutsche, 15 sind bis heute noch vermisst. Die Naturkatastrophe löste eine bislang nie da gewesene weltweite Spendenbereitschaft aus. Den Vereinten Nationen zufolge kamen 13,6 Milliarden Dollar zusammen. Dennoch ist vielerorts die Not noch groß.

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