Hackerangriffe und Pressemitteilungen auf arabisch

Wahrscheinlich war das kleine Land Dänemark noch nie unter den meistgesuchten Begriffen im weltweiten Datennetz. Seit der Veröffentlichung der umstrittenen Mohammed-Karikaturen und den gewaltsamen Protesten dagegen ist das anders: Neben „Dänemark“ und „Jyllands-Posten“ – der Name der Zeitung, mit der alles begann – sind bei der Weblog-Suchmaschine Technorati noch drei weitere Suchbegriffe zum Thema unter den zehn meistgesuchten. In vielen Weblogs weltweit wird der Konflikt diskutiert. Zahlreiche Blogger verlinken auf die umstrittenen Karikaturen oder haben sie gleich kopiert und auf ihren Seiten als Zeichen der Solidarität veröffentlicht.

Das dänische Außenministerium bemüht sich hingegen auf seiner Website um Beschwichtigung: Unter dem Foto idyllischer dänischer Windräder im Meer finden sich dort ungewohnte arabische Schriftzeichen. Auf arabisch und englisch wendet sich Premierminister Anders Fogh Rasmussen an die muslimische Welt. Auch sein Interview mit dem arabischen Sender Al Dschasira ist als Transkript zu lesen. Sicherlich auch kein Zufall: eine Pressemitteilung, in der das Ministerium dänische Hilfe für die Opfer des Fähruntergangs im Roten Meer anbietet.

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„Hagalil.com“ nach Angriff weiter nicht erreichbar

Die französische Zeitung „France-Soir“, die die Karikaturen veröffentlichte, und das deutsch-jüdische Portal „Hagalil.com“ sind weiterhin nicht erreichbar. David Gall von „Hagalil.com“ sagte gegenüber tagesschau.de, bei einem Hackernangriff am Donnerstag seien 95 Prozent der Inhalte gelöscht worden. Glücklicherweise seien die Sicherungskopien aktueller als gedacht. Dennoch werde es mehrere Tage dauern, bis die Daten wieder aufgespielt seien, so Gall. „Hagalil.com“ sei bereits oft von Hackern angegriffen worden, bislang seien alle Attacken abgewehrt worden, betonte Gall. Dieser Angriff stelle jedoch eine neue Qualität dar. Die IP-Adresse der Angreifer führe nach Katar. Allerdings könnten auch Personen aus Deutschland sich dort einwählen und Angriffe starten. Doch die zeitliche Nähe zu den Veröffentlichungen der Mohammed-Karikaturen weise auf diesen Zusammenhang hin, so Gall.

Das Landeskriminalamt habe jetzt die Ermittlungen übernommen, sagte Gall weiter. Er hoffe auf Ergebnisse in der kommenden Woche. „Hagalil.com“ hatte die Karikaturen aus der Zeitung „Jyllands-Posten“ veröffentlicht und mit antisemitischen Zeichnungen aus arabischen Medien verglichen. Die Seite ist das größte deutsche Internetportal zu jüdischen Themen und Nahostpolitik.

Computer-Angriffe in Dänemark

Nach einem Bericht der „Jyllands-Posten“ sind in den vergangenen Tagen rund 200 dänische Webseiten angegriffen worden, doch auch Anbieter aus Deutschland und Frankreich sind betroffen. So waren laut Berichten aus Marokko dort die Angebote der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sowie der Magazine „Focus“ und „Stern“ nicht mehr erreichbar.

„France-Soir“ abgeschaltet?

Die französische Zeitung „France-Soir“ ist im Internet gar nicht mehr zu erreichen. Ein Techniker des Blattes wies darauf hin, dass die Zeitung über einen sehr zuverlässigen Internet-Auftritt verfüge, ein technischer Fehler sei fast ausgeschlossen, sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur APA. Für den Ausfall der Seite gebe es zwei wahrscheinliche Erklärungen. Entweder hätten Hacker die Seite gelöscht. Wahrscheinlicher sei aber, dass der italienische Inhaber der Domain www.france-soir.fr die Verbindung gekappt habe, da die Firma finanzielle Interessen im Nahen Osten hätte, so der Techniker auf Anfrage von tagesschau.de.

Original, Google Cache, archive.org

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