Walfleisch für japanische Hunde

Japan will sich den Walfang nicht nehmen lassen. Trotz weltweiter Proteste besteht das Land darauf, die Meeressäuger jagen zu dürfen, und das obwohl in den Kühlhäusern Berge von unverkäuflichem Walfleisch lagern. Viele Japaner haben keinen Appetit mehr auf das Fleisch. Jetzt soll es zumindest Hunden schmackhaft gemacht werden.

Von Martin Fritz, ARD-Hörfunkstudio Tokio

Tierschützer reagierten empört: Während Japan immer mehr Wale unter dem Deckmantel der Forschung abschieße, sitze das Land auf einem solchen Walberg, dass man das Fleisch jetzt als Hundefutter vermarkte, um es überhaupt zu nutzen. „Gesund und natürlich sicher“ sei dieses Trockenfleisch vom Wal, so wird auf der Internetseite der Firma Hakudai Lebensmittel für das neue Hundefutter getrommelt, außerdem sei es „kalorienarm, eiweissreich und ohne Konservierungsmittel“. 100 Gramm kosten umgerechnet 3 Euro. Die Nachfrage sei sehr groß.

Jagd in der Antarktis und im Nordpazifik

Der Verkauf von Walfleisch als Hundefutter zeigt das peinliche Dilemma, in das sich Japans Fischereiagentur manövriert hat. In diesem Jahr will die japanische Fangflotte in antarktischen Gewässern 935 Zwergwale abschießen, 40 Prozent mehr als im Vorjahr, dazu noch 10 Finnwale. Für die großen Wale wurde extra eine neue Harpune entwickelt. Sie dringt tief in den Wal ein und läßt in seinem Inneren eine Schrotladung explodieren, um möglichst viele Arterien und Nerven zu zerfetzen und das riesige Tier schnell zu töten. Außerdem erlegt Japan im Nordpazifik noch jeweils 100 Sei- und Zwergwale, 50 Bryde- sowie 5 Pottwale. Im übernächsten Jahr will Japan sogar jeweils 50 Finn- und Buckelwale jagen. Dieser angeblich wissenschaftliche Walfang hat damit fast wieder das gleiche Ausmaß wie der kommerzielle Walfang vor dem Fangmoratorium von 1986 erreicht.

Berge an Walfleisch wachsen

Den Großteil der gefangenen Tiere muss Japan inzwischen tieffrieren und einlagern, weil die Verbraucher im Schnitt nur 40 Gramm Walfleisch jährlich essen. Im Jahr 2004 wuchs die eingelagerte Walmenge deshalb auf rund 2700 Tonnen, 2005 sogar auf knapp 4000 Tonnen und damit auf die rund dreifache Mege wie vor sechs Jahren. Die Fischereiagentur begann zwar letztes Jahres mit einer Verkaufsoffensive: Rund 300 Schulen bekamen das Fleisch zum Probieren angeboten, in Kaufhäusern und Fußgängerzonen wurde es als Appetithappen verteilt. Eine Fastfood-Kette in Nordjapan setzte Walburger auf seine Speisekarte. In Anzeigen und auf Flugblättern versicherte die Agentur, Wale stünden nicht mehr vor dem Aussterben. Aber die Japaner essen trotzdem nicht mehr Wal. Dabei sind die Preise für das Fleisch um 30 Prozent gefallen. Ein Kilogramm Steak vom Pottwal kostet auf Tokios größtem Fischmarkt nur noch etwa 18 Euro und damit weniger als ein Kilogramm australisches Rindlfleisch.

Walfleisch schmeckt zäh

Der mangelnde Appetit auf Wal hat zwei Gründe: Die älteren Japaner mussten Wal in den Hungerjahren nach dem Krieg als billige Eiweißquelle konsumieren und wollen sich durch das Essen von Wal nicht an diese harten Zeiten erinnern lassen. Und die jüngeren Japaner verschmähen Wal, weil sein Fleisch nicht gut schmeckt. Verglichen mit anderen Meerestieren ist Walfleisch nämlich eher trocken und zäh. Vom Verkauf als Hundefutter weiß das Fischereiministerium angeblich nichts. Doch das japanische Argument, das Land bewahre mit dem Walfang und -verzehr eine kulturelle Tradition, ist immer weniger überzeugend.

Original, Google Cache, archive.org

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