Ausgangssperre verlängert

Iraks Ministerpräsident Ibrahim Dschaafari hat nach der jüngsten Welle der Gewalt die Ausgangssperren in Bagdad und drei Provinzen des Landes um einen Tag verlängert. Sie sollen nun zunächst bis Samstag 16.00 Uhr Ortszeit gelten, hieß es in einer vom Fernsehsender Al Irakia ausgestrahlten Erklärung. Neben Bagdad ist es damit auch in den Nachbarprovinzen Diyala, Babylon und Salaheddin untersagt, sich außerhalb der Nachmittagsstunden zwischen 16.00 und 20.00 Uhr auf der Straße aufzuhalten.

Ausgangssperre verhinderte offenbar Ausschreitungen

Die zunächst nur für den Freitag verhängte Ausgangssperre hatte die befürchteten Ausschreitungen offenbar vorerst verhindert. Nach der Gewaltwelle in Folge des Anschlags auf die Goldene Moschee am Mittwoch in Samarra herrschte im Land angespannte Ruhe. In Bagdad errichteten Sicherheitskräfte Straßensperren zwischen den einzelnen Vierteln, in Samarra waren die Straßen wegen eines vollständigen Ausgehverbots wie ausgestorben.

Die Sicherheitskräfte hatten Anweisung bekommen, auf jeden zu schießen, der gegen die Anordnung verstieß. Die Ausgangssperre wurde von Lautsprechern auf den Moscheen verkündet: „Wer sein Haus verlässt, wird festgenommen oder Ziel von Schüssen.“ Sicherheitskräfte hinderten rund 3000 Gläubige daran, zum Freitagsgebet in die größte Moschee zu gehen.

Gebete in den jeweiligen Wohnvierteln

Dagegen waren innerhalb der Viertel von Bagdad Menschen und Autos auf den Straßen unterwegs. Die Gläubigen gingen jeweils in ihrer Wohngegend zum Beten in die Moschee. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden alle Zivilflüge von und nach Bagdad annulliert.

In verschiedenen Vierteln der Hauptstadt wurden 13 von Kugeln durchsiebte Leichen gefunden. Alle Opfer hatten die Hände gefesselt, wie aus dem Innenministerium verlautete. Damit starben seit dem Anschlag in Samarra rund 140 Menschen, die meisten Sunniten.

Forderung nach Einheit des Iraks

In mehreren Städten gingen Schiiten und Sunniten gemeinsam auf die Straße, um gegen die Gewalt zu demonstrieren. Kundgebungen gab es unter anderem in Basra, Kut, Nassirijah und Amara. In der nordirakischen Stadt Mossul skandierten Sunniten und Schiiten Parolen wie „Amerika ist der Feind Gottes“. Ministerpräsident Dschaafari rief sunnitische und schiitische Prediger auf, beim Freitagsgebet für Einheit und Frieden zu beten.

Original, Google Cache, archive.org

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