Aus weiß mach schwarz

Rassismus gehört in den USA nach wie vor zum Alltag – das zeigt nicht zuletzt der diesjährige Oscar-Gewinnerfilm „L.A. Crash“. Die neue sechsteilige Reality-Serie „Black.White.“ bereitet das Thema nun auf ungewöhnliche Weise auf: Schwarze werden zu Weißen geschminkt und umgekehrt. Beide Seiten erleben in ihrem neuen Alltag ganz neue Seiten von Amerika. Kritiker sind begeistert und rechnen mit heftigen Diskussionen.

Von Carsten Schmiester, ARD- Hörfunkstudio Washington

„Es ist nicht alles schwarz und weiß“, singt Rapper “Ice Cube”, der sich die Sache zusammen mit dem Dokumentarfilmer R.J. Cutler ausgedacht hat. Eine sechsteilige Reality-Serie im amerikanischen Kabelfernsehen, die dennoch nicht anders heißen kann als eben „Black. White.“ – schwarz-weiß.

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Die Idee: Ein weißes Paar mit Tochter erlebt, was es heißt, täuschend echt geschminkt als Afroamerikaner im Land der für sie plötzlich sehr begrenzten Möglichkeiten zurechtkommen zu müssen. Umgekehrt wird ein farbiges Paar mit Sohn äußerlich zu Weißen gemacht und erfährt ungefilterten Rassimus. „Das hier ist eine der letzten unberührten Bastionen der weißen Mittelklasse“, sagt in einer Szene ein Mann am Tresen zu Brian Sparks, der als vermeintlich weißer Barkeeper in einem ausschließlich weißen Viertel von Los Angeles arbeitet. „Ich war schockiert“, gibt Brian hinterher zu Protokoll. Während seiner Zeit als „Weißer“ ist ihm noch öfter ähnliches passiert. Einmal habe ihm ein Student erklärt, dass er sich jedesmal die Hände wasche, wenn er einem Schwarzen die Hand geschüttelt habe.

Missverständnisse und innere Ausstrahlung

„Rassismus ist nicht Vergangenheit, sondern Gegenwart“, sagt Brian, was sein zum Schwarzen geschminkter Serienpartner Bruno zwar nicht grundsätzlich leugnet, aber längst nicht so schlimm findet. Viele Schwarze erwarteten von vornherein Ablehnung, argumentiert Bruno, und verstünden gar nicht so gemeinte Gesten und Äußerungen Weißer dann entsprechend – nämlich falsch. „Du suchst etwas, das es nicht gibt“, wirft er Brian vor. „Wenn ich mich mies fühle, werde ich von anderen Menschen ganz anders behandelt als wenn ich gut drauf bin“, entgegnet Brian. An seinem lausigsten Tag als Weißer habe er sich immer noch besser behandelt gefühlt als als Schwarzer an seinem besten, fasst er seine Erfahrungen als vorübergehend weißer Amerikaner bitter zusammen.

Sein „anderes Leben“ wird in den kommenden Wochen nach Meinung vieler begeisterter Kritiker für Zündstoff und heiße Diskussionen sorgen. „Black.White.“-Produzent Matt Alvarez bezeichnet das Projekt ausdrücklich als Momentaufnahme und nicht als Dokumentation: „Wir wollen einfach zeigen, was diese Leute mit ihren vertauschten Rassen und Rollen mitgemacht haben.“

Amerika mit anderen Augen

Sie haben Amerika auf jeden Fall mit anderen Augen gesehen und bei allen Unterschieden in der Bewertung eines gelernt. „Klar, wir sind alle verschieden“, sagt Brian: „Ich bin schwarz, Bruno ist weiß – und dennoch sind wir alle gleich.“

Original, Google Cache, archive.org

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