Große Begeisterung für vier Minuten Dunkelheit

Viele Menschen von Brasilien bis zur Mongolei haben die vierte totale Sonnenfinsternis des 21. Jahrhunderts bestaunt. Besonders gut sichtbar war das Phänomen in Westafrika, Libyen und der Türkei. Nicht überall löste die Erscheinung aber Begeisterung aus. „Es gibt Abergläubische, die jedes astronomisches Ereignis als ein Symbol für irgendetwas interpretieren“, sagt Hamid Tuma von der marokkanischen Universität Rabat. „Die Menschen glauben an ein Zeichen, dass die Erde untergehen wird, oder dass sie auf dem falschen Weg sind.“

Entvölkerte Dörfer in der Türkei aus Angst vor Erdbeben

In der Türkei fürchteten Manche, die Sonnenfinsternis könne ein schweres Erdbeben auslösen. Obwohl Wissenschaftler in den Medien immer wieder darauf hingewiesen hatten, dass es keinen Zusammanhang zwischen einer Sonnenfinsternis und Erdbeben gibt, verließen viele Menschen in Dörfern Anatoliens ihre Häuser in Panik. Nach Angaben der Behörden waren einige Dörfer regelrecht entvölkert. 1999 hatte zufällig eine Woche nach einer Sonnenfinsternis in der Türkei die Erde gebebt.

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In Deutschland war nur eine partielle Sonnenfinsternis zu beobachten, in den meisten Regionen machte das Tief „Jasmin“ den Himmelsguckern aber einen Strich durch die Rechnung. In einigen Ländern rund um das Mittelmeer verdunkelte der Mond die Sonne komplett. Libyen – wo die Finsternis rund vier Minuten zu sehen war – hatte sogar die Einreisebestimmungen für „Sonnenfinsternis-Touristen“ erleichert.

„Noch nie hatten wir so einen Menschenauflauf“

Der einzige Punkt innerhalb der EU, von dem aus die totale Sonnenfinsternis beobachtet werden konnte, war die kleine griechische Insel Kastellorizon. Zu den 250 Einwohner gesellten sich dort rund 3000 Besucher. „Noch nie hatten wir so einen Menschenauflauf auf unserer Insel“, sagte eine Einwohnerin im Fernsehen.

Extra Hotel für die Sonnenfinsternis gemietet

In den Ferienorten im Süden der Türkei versammelten sich am Mittag mehrere zehntausend Schaulustige. Ein besonders beliebter Treffpunkt war die Stadt Side östlich von Antalya, weil die dort unmittelbar am Meer stehenden antiken Ruinen reizvolle Motive für Foto- und Filmaufnahmen boten. Eine 500-köpfige Reisegruppe aus Stuttgart hatte in Side extra wegen der Sonnenfinsternis ein ganzes Hotel gemietet.

Bei einer totalen Sonnenfinsternis schiebt sich der Mond vor die Sonne und verdunkelt sie für einige Minuten vollständig. Während dieser Zeit verdüstert sich das Tageslicht, und die Temperaturen fallen merklich. Die Finsternis begann am Morgen in Brasilien und war in den Stunden darauf auf einer Länge von 14.500 Kilometern in Westafrika, der Sahara, Libyen, der Türkei, Zentralasien und schließlich in der Mongolei zu sehen, wo sie um 13.48 Uhr MESZ endete. In einem 5000 Kilometer breiten Korridor um die Bahn der totalen Sonnenfinsternis war eine partielle Verdunklung zu sehen.

Totale Sonnenfinsternis in Deutschland erst wieder 2081

Die nächste totale Sonnenfinsternis wird in zwei Jahren in Nordamerika, Europa und Asien zu beobachten sein. In Deutschland wird es eine totale Sonnenfinsternis wie zuletzt 1999 erst wieder im Jahr 2081 geben.

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