Googles „reiche Ernte“ – durch Selbstzensur

Zensur auf seinen Seiten? Damit hat Google China keine Probleme. Das Unternehmen verteidigte heute sein Arrangement mit der Regierung in Peking als alternativlos. Und es stellte seinen chinesischen Namen vor – und der ist von vielfach symbolischer Bedeutung.

Von Petra Aldenrath, ARD-Hörfunkstudio Peking

In einer Art Show mit Filmbeiträgen und Musik hat das Internetportal Google im renommierten Pekinghotel vor Journalisten und geladenen Gästen seinen chinesischen Namen bekanntgegeben: „Guge“ – das bedeutet soviel wie „Das Lied der reichen Ernte“ und soll Hoffnung machen auf noch mehr User. Immerhin mehr als 110 Millionen Internetuser gibt es im Reich der Mitte. China ist damit nach den USA das Land mit der weltweit größten Onlinegemeinde. 4,2 Millionen Internetnutzer leben allein in Peking. Anfang des Jahres ist Google mit einer chinesischen Version auf den Markt gegangen.

„Wir haben keine Alternative“

Die Suchmaschine Google hat sich mit seinem chinesischen Marktgang den Bestimmungen der chinesischen Behörde unterworfen. Was sich nicht vermeiden ließ, wie Eric Schmidt – Googlebeauftragter aus Amerika – betonte: „Wir von Google haben die Mission, allen Bürger der gesamten Welt zu dienen. Und diese Mission schließt auch das mehr als eine Milliarde starke chinesische Volk ein. Aus unserer Perspektive müssen wir uns hier dem Gesetz anpassen. Wir sind tatsächlich Kompromisse eingegangen gegenüber der Regierung – dass wir dem chinesischen Gesetz absolut folgen. Wir haben keine Alternative.“

Da die chinesische Regierung zwar die Verbreitung des Internets fördert, andererseits aber nichts so sehr fürchtet wie Kritik, hat sie Filter ins Netz gebaut. Die scannen systematisch alle Eingaben nach Begriffen durch wie „Opposition“, „Unabhängigkeit“ oder auch „Tibet“, „Taiwan“ und „4. Juni“ – das ist der Tag, an dem die Demokratiebewegung 1989 niedergeschlagen wurde.

„Leider unauffindbar“

Wer versucht, solche Seiten anzuklicken, hat nie Erfolg. Auf dem Computer erscheint stets die Anzeige: „Diese Seite konnte leider nicht gefunden werden.“ Bei der chinesischen Googleversion wurden von der Regierung unerwünschte Seiten von vorneherein gelöscht. Google arbeitet mit einer von der Regierung zugelassenen und damit gesäuberten Version.

Doch die internationale Kritik weist Eric Schmidt von Google zurück: „Wir glauben, dass diese Entscheidung, die wir hier in China getroffen haben, die abslout richtige ist. Wir müssen die lokale Kultur respektieren. Es ist also keine Option für uns, Informationen breit zugänglich zu machen, die illegal, unmoralisch, nicht passend oder was immer sind.“

Kritische Texte als Kapitalverbrechen

Google hat sich damit den strengen Richtlinien der chinesischen Internetzensur unterworfen. In China gilt es seit dem Jahr 2001 als Kapitalverbrechen, Texte ins Netz zu stellen, die die Staatssicherheit gefährden. Die chinesische Regierung hat über 30.000 Internetpolizisten engagiert, die in China Webseiten, E-Mails und Diskussionsforen nach verbotenen Inhalten durchkämmen.

Über 60 Internetdissidenten sitzen in Haft. Das Kontrollnetz in China ist engmaschig. Wer erwischt wird, unliebsame Informationen zu verbreiten, bekommt bis zu zehn Jahre Haft. Zu den zehn „Google-Geboten“, die als Richtlinie des Unternehmens dienen, gehört auch die Forderung nach „Demokratie im Netz“. Doch ob dieses Gebot auch für China gilt, darauf gibt Eric Schmidt keine Antwort: „Jede Entscheidung, die wir treffen, basiert auf der Annahme, dass wir die lokalen Gesetze befolgen müssen, und wir müssen das Richtige für die Endnutzer tun. Wir betrachten das als Produkt-zu-Produkt-Basis.“

Original, Google Cache, archive.org

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