Es trifft den hart, der pendelt, spart und Kinder hat

2007 steigen die Steuern, und zahlreiche Vergünstigungen werden abgebaut. Wenn alles zusammenkommt, kann die Belastung für den einzelnen Arbeitnehmer beträchtlich sein, wie das Beispiel einer alleinerziehenden berufstätigen Mutter zeigt.

Von Michael Weidemann, NDR, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Die Mehrbelastungen für Pendler sind am unfairsten, findet Lina Hallmann. Denn bei der Entfernungspauschale, so hat es Finanzminister Peer Steinbrück durchgesetzt, können die ersten zwanzig Kilometer künftig nicht mehr abgesetzt werden. Und für die Angestellte, die täglich aus ihrer Vorortwohnung ins Büro in der City fahren muss, bedeutet das eine große finanzielle Einbuße.

„Ich habe gerade zwanzig Kilometer zur Arbeit, und wenn jetzt diese zwanzig Kilometer überhaupt nicht mehr zählen, würde mich das knapp vierhundert Euro kosten“, rechnet Hallmann (Name geändert, d.Red.) vor.

Einen Teil dieser Summe kann Lina Hallmann zwar durch den Arbeitnehmerpauschbetrag wieder auffangen. Doch dafür muss sie noch rund 35 Euro Mehrkosten einkalkulieren, die ihr durch die steuerlich bedingte Benzinpreissteigerung entstehen. Eine ähnlich große Zusatzbelastung kommt auf sie zu, wenn die Versicherungssteuer auf 19 Prozent steigt. KFZ-, Privathaftpflicht-, Hausrat- und Rechtsschutzversicherung werden ab 2007 entsprechend teurer.

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Ein Jahr Kindergeld weniger = 1848 Euro minus

Den mit Abstand größten Batzen aber macht die Neuregelung des Kindergeldes aus. Lina Hallmanns heute 24jähriger Sohn studiert nämlich noch. 2008 wird sie für ihn jedoch keine staatliche Unterstützung mehr bekommen. „Ein Jahr Kindergeld würde fehlen,“ betont Hallmann. „Und das sind 1848 Euro!“

Doch der Schaden wird noch größer. Hallmanns Arbeitgeber zahlt pro Jahr ungefähr 1200 Euro an Familienzuschlag. Der ist aber an die Zahlung des Kindergeldes gebunden. Macht unterm Strich 3000 Euro weniger, weil die Kindergeldleistungen künftig mit Vollendung des 25. Lebensjahres und nicht erst mit dem 27. Lebensjahr enden werden.

Weniger Geld im Portemonnaie hat sie aber auch, weil Finanzminister Steinbrück beim Sparerfreibetrag in Zukunft nur noch halb so hohe Beträge ansetzt wie bislang. Das zehrt an ihren Rücklagen für die private Altersvorsorge, klagt die Mittfünfzigerin: „Da ich bisher ungefähr an der Freibetragsgrenze war, was mein Erspartes anbelangt, müsste ich dann in Zukunft ungefähr auf zweihundert Euro Zinsertrag verzichten.“

Nur aufs Geld achten, reicht nicht

Alle steuerlich bedingten Mehrbelastungen zusammengerechnet, wird sie rund 3700 Euro weniger im Jahr haben, fürchtet Lina Hallmann. Noch nicht eingerechnet ist dabei die Mehrwertsteuer, deren Erhöhung bei einer Familie ihres Zuschnitts rund 240 Euro ausmacht, wie Experten ausgerechnet haben.

Da tröstet auch der um einen Prozentpunkt abgesenkte Arbeitnehmerbeitrag in der Arbeitslosenversicherung wenig. Er entlastet die private Haushaltskasse nur um rund 350 Euro im Jahr.

Da müsste man wahrscheinlich einfach dann den Urlaub streichen oder die Anschaffung eines neuen Autos verschieben, meint sie. Im Alltag mehr aufs Geld zu achten, reicht jedenfalls nicht, um die Kürzungen und Steuererhöhungen aufzufangen.

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