Kostenbremse für umstrittene Diabetes-Mittel gezogen

Die Kostenerstattung für die so genannten Insulin-Analoga zur Behandlung von Diabetes wird deutlich eingeschränkt. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) entschieden, in dem Ärzte, Krankenhäuser und Kassen vertreten sind. Die umstrittenen Diabetes-Mittel werden nur noch von der Kasse bezahlt, wenn sie nicht teurer sind als herkömmliches Humaninsulin.

Keine Belege für bessere Ergebnisse

Der Ausschuss begründete die Einschränkung damit, dass Patienten mit Altersdiabetes „ebenso zweckmäßig und derzeit wesentlich kostengünstiger“ mit Humaninsulin behandelt werden können. Es gebe zudem keine Belege für die Überlegenheit der Insulin-Analoga.

Insulin-Analoga sind künstliche Abwandlungen des Hormons Insulin. Genau wie herkömmliches Insulin senken sie den Blutzuckerspiegel. Nach Angaben der Hersteller setzt ihre Wirkung zudem schneller ein als bei Normalinsulin – nämlich bereits nach 15 Minuten anstatt erst nach einer halben Stunde. Die Insulin-Analoga sind in Deutschland seit etwa zehn Jahren auf dem Markt, können aber um Einiges teurer sein als Humaninsulin. Schätzungen zufolge wurden 2004 etwa 200.000 Diabetes-Typ-2-Patienten in Deutschland mit Insulin-Analoga behandelt.

Ausnahmen gelten

Einige Ausnahmen ließ der Bundesausschuss aber zu: Das Präparat darf weiterhin von den Kassen verordnet werden, wenn ein Patient allergisch auf Humaninsulin reagiert. Ausnahmen gelten auch für Patienten, bei denen der Stoffwechsel trotz intensiver Therapie mit Humaninsulin nicht stabil bleibt oder bei denen eine Therapie mit Insulin-Analoga wegen unverhältnismäßig hoher Humaninsulindosen wirtschaftlicher ist.

Mit seinem Beschluss folgt der Gemeinsame Bundesausschuss einem Gutachten des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Dieses war zu dem Schluss gekommen, dass die Insulin-Analoga dem herkömmlichen Insulin bei der Behandlung des Diabetes Typ 2 nicht überlegen seien. Ärzte- und Patientenverbände hatten den Bericht heftig kritisiert. Der Deutsche Diabetiker Bund sammelte bereits mehr als 180.000 Unterschriften für den Erhalt der Insulin-Analoga als Kassenleistung. Nach Ansicht des Verbandes wurden die Patienteninteressen nicht ausreichend berücksichtigt.

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