Einziges Alarmsignal – das Brausen der Welle

Unermüdlich arbeiten sich Rettungskräfte durch die Trümmer an Javas Küste. Nach neuesten Angaben werden noch 273 Menschen vermisst. Und mit der Zahl der Toten wächst auch das Unverständnis über eine fehlende Warnung.

Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Südasien

Schier undurchdringlich scheinen die Trümmerhalden auf der indonesischen Insel Java. Auch am Tag 3 nach dem schweren Seebeben schaufeln sich die Bagger mühevoll durch das Zerstörungswerk der Flutwelle. Und noch immer ist die Insel nicht von der Last befreit, täglich aufs Neue seine Toten zählen zu müssen. Kalte Zahlen, hinter denen immer wieder persönliche Tragödien zum Vorschein kommen. Ein Saudi überlebte mit seiner Tochter und einem Sohn, sein anderer Sohn und seine Ehefrau kamen ums Leben: „Ich habe nur noch die Hälfte meiner Familie bei mir“, sagt der Mann. „Jetzt muss ich versuchen, irgendwie weiter zu machen.“

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Viele Menschen gelten noch immer als vermisst – 273 sind es nach neuesten Berechnungen. Sie aus den Trümmern lebend bergen zu können, wagt kaum noch jemand zu hoffen. In die Trauer hat sich mittlerweile auch Unverständnis gemischt. Unverständnis darüber, dass für viele der Krach des herannahenden Tsunami das einzige Alarmsignal war, das sie jemals hörten. „Wir hörten dieses laute Brausen“, erzählt ein Mann aus Australien. „Dann standen wir auf und sahen Boote durch die Luft fliegen. Da wussten wir, dass es Zeit war, sich davonzumachen.“ Doch für viele andere war es da schon zu spät.

Diskussion um funktionierendes Warnsystem

Einheimische, die mit dem Leben davonkamen, stehen nun vor den Resten ihrer Häuser oder Fischerboote und sehen sich ihrer Existenz beraubt. Deshalb ist die Diskussion darüber, warum ein Frühwarnsystem nicht schneller hatte installiert werden können, wohl so schnell nicht zu stoppen. Die Diskussion hat es auch längst auf die gegenüberliegende Seite des Indischen Ozeans geschafft, in die Fernsehnachrichten Indiens. Denn natürlich schielt man auch in Indien mit einem sorgenvollen Auge nach Indonesien, weil die Erinnerungen an die Tsunami-Katastrophe Weihnachten 2004 noch wach sind. Daher werden in den Medien immer wieder die selben Fragen gestellt, nach dem versprochenen, aber noch nicht vorhandenen Warnsystem. Indonesische Behörden haben sich dazu bereits geäußert und eine verlässliche Alarmschaltung frühestens für das nächste Jahr vorhergesagt.

Neuer Tsunami bleibt aus

Immerhin konnten die Menschen in Indonesien ein halbwegs ruhige Nacht verbringen. Größere Nachbeben gab es zunächst nicht – gestern noch hatte ein neues Seebeben der Stärke 6.2 erneut Panik ausgelöst. Die befürchtete neue Flutwelle aber blieb aber aus.

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