Frostiger Empfang für al Maliki

Heute al Maliki, am Freitag Blair: US-Präsident Bush bekommt viel Besuch in dieser Woche. Im Mittelpunkt der Gespräche steht die Krise im Nahen Osten. Bei dem Treffen mit al Maliki war aber natürlich auch die Lage im Irak Thema. US-Präsident George W. Bush versprach, weitere US-Truppen nach Bagdad zu verlegen. Die Begrüßung des irakischen Regierungschefs war nicht allzu herzlich ausgefallen – denn al Maliki hat sich im Nahost-Konflikt gegen die USA gestellt.

Von Carsten Schmiester, NDR-Hörfunkkorrespondent in Washington

Ein Flaggenmeer im Weißen Haus, Elitesoldaten stehen stramm, als die beiden Politiker den langen Flur durchschreiten auf dem Weg zur Pressekonferenz. Großes Protokoll für den Gast aus Bagdad – doch hinter den Türen ist die Stimmung weniger feierlich: George W. Bush ist unzufrieden mit seinem irakischen Gast. Denn Nuri al Maliki, der irakische Premier, hat Israels Militäraktion im Libanon scharf verurteilt und im eigenen Land nicht erreicht, was Washington sich erhofft hatte.

Das Weiße Haus hält seine vor sechs Wochen gestartete Sicherheitsoffensive in der irakischen Hauptstadt für gescheitert und schickt nun zusätzliche eigene Soldaten in den Kampf gegen sunnitische und schiitische Todesschwadronen, denen nach Schätzungen zur Zeit täglich rund hundert Menschen zum Opfer fallen. Offiziell lässt sich Bush die Ernüchterung aber nicht anmerken.

„Herzlich willkommen im Weißen Haus“?

„Angesichts der Gewalt im Nahen Osten fragen viele, ob Demokratie wirklich eine Chance hat in der Region. Das irakische Volk gibt die Antwort. Die Leute opfern viel um ihrer Freiheit willen. Und sie haben gewählte Führer, die schwierige Entscheidungen treffen. Herr Premierminister, sie sind ein solcher Führer, herzlich willkommen im Weißen Haus“, so Bush.

Al Maliki darf am zweiten Tag seines Besuches sogar vor dem Kongress sprechen. Sonst eine hohe Ehre, diesmal eher eine Pflichtnummer. Beobachter erwarten weit weniger Beifall als es ihn noch nach der Rede des irakischen Interims-Premiers Allawi im Herbst 2004 gegeben hatte. Es dürfte bei höflichem Applaus bleiben und bei offenen Fragen. Kann al Maliki die sich einander bekämpfenden Bevölkerungsgruppen im Irak soweit einigen, dass die von Bush versprochene Demokratie zumindest eine Chance bekommt? Dass aufhört, was zurzeit nur außenstehende Beobachter wie der ehemalige Präsidentenberater David Gergen offen und ehrlich beim Namen nennen?

Klassischer Fall von Bürgerkrieg

„Wir haben es mit einem klassischen Bürgerkrieg im Irak zu tun“, so Gergen im Nachrichtensender CNN. Während Bush und al Maliki genau das trotzig bestreiten. Für sie kann nicht sein, was nicht sein darf. Wer offen vom Bürgerkrieg spricht, der müsste ja auch zugeben, dass der Irak von Freiheit, Frieden und Demokratie meilenweit entfernt ist. Das wäre die Bankrotterklärung der amerikanischen Politik, so Gergen.

Kein Wunder also, dass Bush und sein Besuch aus Bagdad trotz aller Enttäuschungen und Differenzen Einigkeit demonstrieren, da stehen sie nun und können nicht anders: „Selten waren zwei politische Führer mehr aufeinander angewiesen als jetzt. Al Maliki wäre ohne Bush ein toter Mann. Auf der anderen Seite ist Bush abhängig von der Fähigkeit der irakischen Regierung, endlich Erfolge zu erzielen“, erklärt Gergen.

Vertrauensverlust in Washington

Doch die lassen auf sich warten. Das Murren in Washington wird lauter. Senator Harry Reid von den oppositionellen Demokraten geht mit dem Gast hart ins Gericht: „Wir wollen jemanden, der mit uns die Probleme im Irak löst. Ich verliere viel Vertrauen in al Maliki, wenn der nicht bald auch die Aktionen der Hisbollah-Milizen verurteilt.“

Andere wie Zbigniew Brzezinski, Nationaler Sicherheitsberater unter Präsident Carter, haben nicht nur das Vertrauen in die irakische Regierung verloren, sondern längst auch das Vertrauen in die eigene. Wie kann man auf die Zukunft setzen, fragt er, wenn man in der Vergangenheit soviel falsch gemacht hat? „Es gibt all’ diese Gewalt, weil wir in den Irak einmarschiert sind ohne vernünftige Planung für die Zeit nach dem militärischen Sieg“, schimpft er.

Original, Google Cache, archive.org

Dieser Beitrag wurde unter tagesschau.de abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.