„Da braut sich ein Sturm zusammen“

Heute al Maliki, am Freitag Blair: US-Präsident Bush bekommt viel Besuch in dieser Woche. Im Mittelpunkt der Gespräche steht die Krise im Nahen Osten. Bei dem Treffen mit al Maliki war aber natürlich auch die Lage im Irak Thema. US-Präsident George W. Bush versprach, weitere US-Truppen nach Bagdad zu verlegen. Die Begrüßung des irakischen Regierungschefs war nich allzu herzlich ausgefallen – denn al Maliki hat sich im Nahost-Konflikt gegen die USA gestellt.

Von Carsten Schmiester, NDR-Hörfunkkorrespondent in Washington

So schnell kann das gehen: Als George Bush vor gut einem Monat den irakischen Regierungschef in Bagdad besuchte, gab es noch jede Menge Lob für Nuri al Maliki. „Ich bin von ihrem starken Charakter beeindruckt“, so Bush, „ich bin beeindruckt von ihrem Willen zum Erfolg, von ihrer Strategie.“ Heute war die Begrüßung des Irakers in Washington etwas kühler ausgefallen.

Al Maliki hat sich mit Kritik an Israels Militäraktionen im Libanon gegen die Amerikaner gestellt, die ihm zudem Versagen beim Versuch vorwerfen, die Lage im Irak zu beruhigen. Bush versprach, weitere US-Soldaten in den Raum Bagdad zu schicken, damit die dort selbst für mehr Sicherheit sorgen. Auch wenn der Gast aus dem „befreiten“ Land morgen sogar vor dem Kongress spricht, man ist enttäuscht von ihm und mag offiziell von nicht mehr als einem „Arbeitsbesuch“ sprechen.

Das Bekenntnis zur Demokratie wird im Zentrum der Gespräche des Präsidenten mit dem Premierminister stehen, so Bush-Sprecher Tony Snow vor dem Treffen. Frei aus dem Diplomatischen übersetzt: Wir werden den Gast an das erinnern, was wir von ihm erwarten.

Mit Blair wird es vertrauensvoller

Der „Krieg gegen den Terror“, die Nahostkrise, die gleichen unangenehmen Themen stehen Ende der Woche erneut auf der Tagesordnung, allerdings in vertrauensvollerer Atmosphäre. Dann kommt der engste Freund des Präsidenten, der britische Premierminister Tony Blair ins Weiße Haus. Die beiden sind in den vergangenen Jahren gemeinsam durch viel Dick und wenig Dünn gegangen. Gemeinsam werden sie versuchen, wenigstens ein paar ihrer Probleme zu lösen. Allen voran das drängendste – die Gewalt im Libanon. Erste Schritte sind getan: Außenministerin Condoleezza Rice hat sich erstmals für eine Waffenruhe ausgesprochen, Bush schickt humanitäre Hilfe in den Südlibanon.

Doch es muss mehr passieren, meint Dennis Ross vom Washingtoner Institut für Nahostpolitik, wir müssen mit den Syrern reden: „Es gibt zwei Wege, dies zu tun: Einer wäre, ihnen damit zu drohen, ihr Leben erheblich schwerer zu machen. Oder wir versuchen einen Neubeginn, wenn sie das auch wollen. Dafür könnten wir die Hilfe Saudi Arabiens erbitten. Mit einer solchen Doppelstrategie wären zumindest einige Veränderungen möglich.“

„Da braut sich der perfekte Sturm zusammen“

Doch selbst wenn Bush dementsprechend handeln würde und damit auch noch Erfolg hätte – beides erscheint zurzeit eher unwahrscheinlich – es wäre bestensfalls der Anfang vom Ende einer aus Sicht des Nahostkenners Martin Indyk beispiellosen Serie schier unüberwindlicher Schwierigkeiten. Indyk war bis 2001 US-Botschafter in Israel und arbeitet heute für das angesehene Brookings-Institut. Er zählt die Krisenherde auf und kommt zu einem wenig optimistischen Schluss: „Es gibt Konflikte zwischen Israel und dem Libanon, zwischen Israel und den Palästinensern. Amerikas Abenteuer im Irak droht zu scheitern und wir haben ein echtes Problem mit dem iranischen Atomprogramm. Das alles entwickelt sich negativ. Ich fürchte, da braut sich der „perfekte Sturm“ zusammen.“

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