„Laut den Ermittlungen ist mein Vater hingefallen“

Am 8. Juni wurde der chinesische Staudammkritiker Fu Xiancai nach einem Interview mit der ARD brutal zusammengeschlagen und liegt seitdem gelähmt im Krankenhaus. Jetzt hat die chinesische Polizei ihren Ermittlungsbericht zu dem Fall vorgelegt. Danach ist Fu einfach nur hingefallen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights in China (HRIC) äußerte Zweifel an der Untersuchung. Auch die Bundesregierung teilte mit, man betrachte den Fall weiterhin als „wichtiges Anliegen“, das aufgeklärt werden müsse.

Von Petra Aldenrath, ARD-Hörfunkstudio Peking

„Es gibt keine Beweise, dass die Verletzungen von außen zugefügt wurden – deshalb liegt kein Ermittlungsfall vor.“ So lautet das Ergebnis des Berichtes der lokalen Polizeibehörde von Ziugui, die zuständig ist für den Fall Fu Xiancai. Gestern, kurz bevor der Ermittlungsbericht übergeben wurde, wurden sowohl alle Familienangehörigen als auch der im Krankenhaus liegende Fu noch einzeln verhört, erzählt der Sohn des niedergeschlagenen Aktivisten: „Das Krankenhaus sagte uns, dass die Polizei kam und fragte, ob mein Vater in der Lage sei zu sprechen. Als die Ärzte das bejahten, gingen sie in sein Zimmer und sagten, sie müssen ihrer Arbeit nachgehen. Die Ärzte ließen sie durch. Mein Vater sagte mir, dass sie ihn mehr als drei Stunden verhört hätten. Mein Vater war sehr sauer und verfluchte sie.“

Staudamm-Kritiker war den Behörden Dorn im Auge

Am 8. Juni war der chinesische Umweltaktivist und Staudammkritiker Fu so brutal niedergeschlagen worden, dass er seitdem gelähmt im Krankenhaus liegt. Kurz davor hatte Fu Xiancai dem Fernsehteam der ARD ein Interview gegeben. Fu war den Behörden wegen seiner anhaltenden Kritik am Drei-Schluchten-Staudamm schon lange ein Dorn im Auge. Laut damaligen Angaben der Ärzte wurde Fu von hinten niedergeschlagen. Doch die Ermittlungsergebnissen der Polizei gehen nun von etwas anderem aus, so Sohn Fu Bing: „Nach den Ermittlungen lautet das Ergebnis, dass mein Vater hingefallen ist.“

Wie es bei dem angeblichen Sturz dazu kam, dass ein schwerer Gegenstand Fus Hals- und Rückenwirbel verletzte, wurde nicht gesagt. Theoretisch kann die Familie Fus Einspruch gegen das Ermittlungsergebnis erheben, so Sohn Fu Bing: „Sie haben uns gesagt, dass wir Einspruch erheben können, aber mein Vater sagte mir, dass man ihm gesagt hätte, es besser nicht zu tun.“

Fu Xiancai kann mittlerweile seine Arme etwas bewegen und täglich eine halbe Stunde sitzen. Ernährt wird er flüssig. Dass er sein Leben lang an den Rollstuhl gefesselt sein wird, gilt als wahrscheinlich. Gerechtigkeit und Aufklärung wird Fu Xiancai wohl nicht erfahren.

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