“Es war wie ein gewaltiges Erdbeben“

Bei einem israelischen Luftangriff auf das südlibanesische Dorf Kana sind mindestens 56 Menschen getötet worden, darunter 37 Kinder. Ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Es ist ein Massaker.“ „Wir haben die Toten mit bloßen Händen aus den den Trümmern ausgegraben“, berichtete ein Kollege. Überlebende hätten ihm erzählt, sie hätten plötzlich so etwas wie ein gewaltiges Erdbeben gespürt und seien dann unter Trümmern und Staub begraben worden. Von der nahenden Gefahr hätten sie nichts mitbekommen. Ein Betroffener berichtete der ARD, die Angriffe seien so heftig gewesen, dass sich niemand habe bewegen können.

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Bei den Opfern handelt es sich vor allem um Flüchtlinge, die aus der Kampfzone im südlibanesischen Grenzgebiet weiter nach Norden geflüchtet waren. Sie hatten im Schutzraum eines Hauses Zuflucht gesucht, das bombardiert wurde. Auch während der Aufräumarbeiten ging der Luftangriff weiter.

Hunderte stürmen UN-Vertretung in Beirut

Hunderte aufgebrachte Menschen stürmten daraufhin den Sitz der UN-Vertretung in Beirut. Sie setzten UN-Flaggen in Brand. Fensterscheiben gingen zu Bruch und Aufzüge wurden zerstört. Das UN-Personal floh in den Keller des Gebäudes, die Räume wurden verwüstet. In der Innenstadt Beiruts protestierten Tausende gegen Israel und die Nahostpolitik der USA.

Auch in Gaza-Stadt griffen wütende Palästinenser am Abend ein Gebäude der Vereinten Nationen an und schlugen mehrere Fenster ein. Sicherheitskräfte gaben Warnschüsse in die Luft ab, um die Menge zu zerstreuen.

Israel bekundet Bedauern

Die israelische Regierung brauchte einige Stunden, um zu reagieren. Das israelische Außenministerium bedauerte, dass zivile Opfer, insbesondere Kinder, getroffen wurden. Ein Sprecher warf der Hisbollah jedoch vor, Einwohner als Schutzschilde zu missbrauchen. Auch habe man die Bewohner von Kana mehrfach vor den bevorstehenden Luftangriffen gewarnt und sie aufgefordert, die Region zu verlassen.

Regierungssprecherin Miri Eisin kündigte eine Untersuchung zu dem Angriff auf das von Flüchtlingen bewohnte Haus an. Dem US-Sender CNN sagte sie, es handele sich um eine „schreckliche Tragödie“. Israel sei tief betrübt und und voller Kummer.

Die Hisbollah kündigte nach dem Angriff Vergeltung an. Das Massaker werde nicht ohne Antwort bleiben. Am Nachmittag begann die Hisbollah mit einem regelrechten Dauerbeschuss mit Katjuscha-Raketen auf den Norden Israels.

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