“Ich habe zehn Jahre für die Tagesthemen reserviert“

Vor allem ehrlich will der neue Moderator der Tagesthemen, Tom Buhrow, wirken. Von den Kollegen erwartet er, „dass sie mir auch mal einen Fehler verzeihen“. In Deutschland vermisst er, dass er, anders als in den USA, nicht noch um Mitternacht Milch kaufen kann. Und zehn Lebensjahre hat er für die Tagesthemen reserviert – mindestens.

tagesschau.de: Die Tagesthemen mit Tom Buhrow: Was erwartet die Zuschauer? Was wird sich ändern?

Tom Buhrow: Erstmal wird es nur einen anderen Moderator geben. Die Sendung ist gut, sie hat Erfolg. Ich finde es falsch, in einen neuen Job reinzugehen, nach dem Motto: „Hoppla, hier komm‘ ich“. Ich will in die bewährte Struktur reinwachsen.

tagesschau.de: Wie wollen Sie als Tagesthemen-Moderator wahrgenommen werden?

Buhrow: Ich hoffe, dass die Zuschauer merken, dass ich versuche, ehrlich und unvoreingenommen die Ereignisse des Tages zu präsentieren. Es soll eine Serviceleistung für die Zuschauer sein, die so ehrlich wie möglich rüberkommt. Die Zuschauer sollen selbst entscheiden, was sie von den Ereignissen halten. Ich schreibe niemandem etwas vor. Außerdem ist mir wichtig, dass die Zuschauer verstehen, was wir senden. Uli Wickert hat gesagt, er habe immer im Lexikon nachgeguckt, ob es für ein Fremdwort nicht noch ein deutsches Wort gibt. Das will ich beibehalten.

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„Schnörkellos, ehrlich, mit gutem Reaktionsvermögen“

tagesschau.de: Was macht einen guten Moderator aus?

Buhrow. Er sollte schnörkellos und ehrlich sein, eine schnelle Auffassungsgabe und gutes Reaktionsvermögen haben.

tagesschau.de: Haben Sie Vorbilder?

Buhrow: Natürlich meine beiden Vorgänger Uli Wickert und Hanns-Joachim Friedrichs. Ich erinnere mich auch gerne an die verschmitzte Souveränität von Friedrich Nowottny. Im US-Fernsehen habe ich Peter Jennings von ABC sehr bewundert.

tagesschau.de: Eine Nachrichtensendung wie die Tagesthemen entsteht immer im Team. Was erwarten Sie von Ihren Kolleginnen und Kollegen?

Buhrow: Dass sie mich ertragen, dass sie mir vielleicht den ein oder anderen Fehler verzeihen und dass wir zusammen bei der Arbeit viel Spaß haben werden.

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„In den USA könnte ich rund um die Uhr einkaufen“

tagesschau.de: Sie haben insgesamt zehn Jahre in den USA gelebt. Nun kommen Sie mit Ihrer Familie zurück nach Deutschland. Was fällt Ihnen hier auf?

Buhrow: Mir fällt auf, dass die Leute im Vergleich zu früher viel freundlicher geworden sind. Ich habe das Gefühl, dass sie mehr mit sich im Reinen sind und auch Spaß daran haben, Deutsche zu sein – und zwar nicht auf Kosten anderer Länder. Woran ich mich gewöhnen muss, ist die Tatsache, dass man nicht rund um die Uhr einkaufen kann. Nach den Tagesthemen kann ich nicht noch einfach Milch holen.

tagesschau.de: Ist es das, was Sie an den USA am meisten vermissen?

Buhrow: Unter anderem. Ein bisschen vermisse ich aber auch die unglaublich ermutigende Art der Amerikaner. Grundsätzlich werden wenig Bedenken geäußert, es sind fast nur Ermutigungen zu hören. Und im Alltag ist einfach alles unheimlich praktisch geregelt – wie eben das Einkaufen.

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tagesschau.de: Wie lange wollen Sie die Tagesthemen moderieren?

Buhrow: So lange es irgendwie geht. (lacht) Ich will das wirklich lange und ausgiebig machen. Das muss man auch, denn es dauert eine ganze Weile, bis die Zuschauer sich an einen neuen Moderator gewöhnt haben. Aber ich will mich auch nicht aufdrängen. Alle drei Jahre entscheidet die ARD wieder neu über eine Vertragsverlängerung. Und dem beuge ich mich natürlich.

tagesschau.de: Wäre ein Zeitraum von zehn Jahren vorstellbar?

Buhrow: Zehn Jahre ist ein Zeitraum, den ich sozusagen innerlich für die Tagesthemen reserviert habe.

Die Fragen stellte Sabine Klein, tagesschau.de

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