Es ist ein Junge!

Freude am japanischen Hof: Prinzessin Kiko hat einen Sohn geboren – den von vielen ersehnten Thronfolger. Die Erbfolge in der ältesten Monarchie der Welt dürfte damit gesichert sein. Die Geburt des Kleinen wurde zum Nationalereignis: Alle TV-Sender unterbrachen ihr Programm für die freudige Nachricht.

Von Martin Fritz, ARD-Hörfunkstudio Tokio

Mehr als vierzig Jahre lang musste das japanische Kaiserhaus auf diese gute Nachricht warten: Der männliche Thronfolger für die übernächste Generation ist geboren, die Erblinie der ältesten Monarchie der Welt gesichert. Prinzessin Kiko hat den ersehnten Jungen heute morgen kurz vor halb neun Uhr Ortszeit bekommen. Das Baby wiegt 2558 Gramm und ist knapp 49 Zentimeter groß. Es wurde planmäßig per Kaiserschnitt geholt. Mutter und Kind sollen wohlauf sein. Die Operation erfolgte wegen Komplikationen in der Schwangerschaft zwei Wochen vor dem errechneten Termin. Das heute geborene Kind steht in der Thronfolge nun an Nummer drei hinter seinem Onkel Kronprinz Naruhito und seinem Vater Prinz Akishino.

„Noch mehr Japaner sollten Kinder machen“

Wegen der Geburt unterbrachen alle japanischen Fernsehsender ihr Programm und zeigten Sondersendungen. Die großen japanischen Zeitungen verteilten vorbereitete Extrablätter. Auf der Straße befragt, reagierten viele Japaner erfreut über die Nachricht. Eine Frau sagte: „Ich freue mich, es ist eine herrliche Nachricht.“ Eine andere meinte: „Noch mehr Japaner sollten Kinder machen.”Das ist erfreulich, ich wünsche Mutter und Kind alles Gute.“

Allerdings ist die Freude insgesamt eher verhalten. Das liegt an den komplizierten Hintergründen der Schwangerschaft und Geburt. Die 39-jährige Prinzessin ist nach mehr als einem Jahrzehnt Babypause offenbar mit dem Ziel schwanger geworden, das Thronfolgeproblem zu beseitigen. Kaiserhauskenner meinten, ärztliche Hilfe sei im Spiel gewesen, auch wenn das Prinzenpaar dies dementierte.

Erleichterung bei Kronprinzessin Masako?

In die Freude über das Kind mischen sich bei vielen Japanern zudem Nachdenklichkeit und Trauer über das Schicksal der beliebten Kronprinzessin Masako. Unter dem Druck, einen männlichen Thronfolger gebären zu müssen, erkrankte die frühere Karrierefrau vor drei Jahren an Depressionen. Nachdem ihre Schwägerin Kiko mit der Geburt eines Jungen den größten Wunsch des Kaiserhauses erfüllt hat, könnte Masako innerhalb der Kaiserfamilie noch mehr in die Defensive geraten.

„Eine Distanz zwischen unserer Welt und dem Kaiserhaus“

Nach dem Kaiserhausgesetz von 1947 kann nur ein Mann den Chrysanthementhron besteignen. Naruhito und Masako haben eine Tochter, Fumihito und Kiko hatten bisher zwei Töchter. Premierminister Koizumi hatte bereits eine Reform zugunsten einer weiblichen Nachfolgeregelung eingeleitet, aber das Projekt nach Bekanntwerden von Kikos Schwangerschaft auf Eis gelegt, obwohl eine Mehrheit der Japaner sich einen weiblichen Tenno vorstellen kann. Eine Frau kommentierte: „Die Diskussion über Mädchen oder Junge zeigt die andere Denkweise im Kaiserhaus. Es gibt eine Distanz zwischen unserer Welt und dem Kaiserhaus.“

Doch die heutige Geburt eines Jungen dürfte die Diskussion, ob auch Frauen Tenno werden sollen, zunächst beenden, vor allem weil die Konservativen im Parlament keinen Handlungsdruck mehr sehen.

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