Der Panama-Kanal wird ausgebaut

Das Votum war eindeutig: Mit 78 Prozent haben die panamaischen Wähler für einen Ausbau des Panama-Kanals gestimmt. Damit können die Bagger im kommenden Frühjahr anrollen. Sie werden neue Schleusen bauen und die Fahrrinne vergrößern.

Von Michael Castritius, ARD-Hörfunkkorrespondent Mittelamerika

Das schwarz-malende „No“ auf rotem Grund hatte sich schon an Panamas Laternenmasten und Häuserwänden nicht durchsetzen können. Die millionenschwere Werbekampagne von Regierung und Unternehmen trug Früchte. Das „Si“ dominierte unangefochten, suggerierte eine rosige Zukunft. Panama, so die Botschaft, kann nur mit der Erweiterung in der Globalisierung mithalten. Ohne den Ausbau des Kanals hätten sich die Waren andere Handelswege gesucht, meinen die Befürworter des Milliarden-Projekts: Durch den Suezkanal oder – schlimmer noch – durch Mittel- oder Nordamerika. Dort drohen Nicaragua mit einem Alternativkanal und Mexiko mit einem „trockenen Kanal“, einer Schienenstrecke für Container.

Schlangen vor den Schleusen werden immer länger

Seit 93 Jahren verrichten die drei Schleusen des Panama-Kanals nahezu pannenfrei ihren Dienst, hieven die Ozeanriesen 26 Meter hinauf in die Fahrrinne, die das Land durchschneidet, und auf der anderen Seite wieder 26 Meter hinab auf Meereshöhe. Bis zur Jahrhundertwende war die Kanalzone US-Hoheitsgebiet, jetzt untersteht sie Panama und fährt 40 Prozent des Staatshaushaltes ein. Aber – so die Kanalverwaltung – mit 40 durchgeschleusten Schiffen pro Tag ist die Kapazitätsgrenze erreicht, die Schlangen vor den Einfahrten werden immer länger.

„Die Kanal-Erweiterung bedeutet die Zukunft“

Mit den neuen Schleusen und der vergrößerten Fahrinne sollen ab 2014 doppelt so viele Schiffe abgefertigt werden. Auch die gigantischen Post-Panamax-Frachter mit fast einem halben Kilometer Länge und bis zu 12.000 Containern an Bord passen dann hindurch. Durchschnittliche Einnahme pro Passage: 100.000 Euro. Für Kanal-Ingenieur Juan Wong ist es deshalb überhaupt keine Frage, was die Erweiterung bedeutet. „Die Zukunft, sie bedeutet die Zukunft meiner Kinder und Perspektiven für die jungen Leute Panamas.“ Er selber werde zwar pensioniert sein, wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind, sagt der Ingenieur. Aber das sei wie mit dem Sämann im Gleichnis. „Warum säst du alter Mann noch Dattelpalmen aus, wird der gefragt, die Früchte wirst du nicht mehr essen können. Der antwortet: Ich habe mein Leben lang Datteln gegessen, die ein anderer gesät hat. Jetzt bin ich dran, die Samen auszubringen.“

Vergebliche Warnung vor den hohen Kosten

Die Gegner des Mega-Projekts hatten vor den Kosten gewarnt. Die veranschlagten 4,2 Milliarden Euro reichten bei weitem nicht aus, so ihre Befürchtung. Panama werde sich bis an den Hals verschulden – auf Kosten der schon jetzt so spärlichen Sozialprogramme und auf Kosten der künftigen Generationen. Zudem würde der vergrößerte Kanal erheblich mehr Süßwasser verbrauchen, neue Stauseen vertrieben Campesinos von ihrem Land in die Migration und zerstörten den Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten.

Bauarbeiten sollen schon im März beginnen

Diese Argumente sind mit dem Referendum zunächst fortgespült, in zehn, zwanzig Jahren wird man sie trocknen und überprüfen können. Nachdem nun das von der Verfassung Panamas geforderte „Ja“ der Bevölkerung vorliegt, werden schon im März die Bagger anrollen, um zwei neue Schleusen auszuheben und um die Fahrrinne zu vergrößern. Vor dem Wasser werden dafür viele viele Gelder fließen. Die Familie des Kanal-Chefs Alemán Zubieta ist groß im Bau-Geschäft, aber andere wollen ebenfalls ihr Kuchenstück abbekommen. Chancen können sich auch ausländische Firmen ausrechnen, meint Christine Göllner von der deutsch-panamaischen Industrie- und Handelskammer. Auch für Firmen aus Deutschland werden „von den Milliarden ein Paar Stücke abzuschneiden sein“, meint sie.

Für Einige wird mit Sicherheit eine Goldgrube ausgegraben dort in Panama. An den 1,5 Millionen armen Menschen aber wird der Wohlstand weiter vorbei tuckern, wenn die Politik die Einnahmen aus dem Panama-Kanal nicht endlich gerechter verteilt.

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