Großteil der Tatverdächtigen ist geständig

Knapp 20 Millionen Kreditkarten in Deutschland wurden überprüft, die Wohnungen von 322 Verdächtigen überprüft. Das Ergebnis der Operation „Mikado“: Der Großteil der Tatverdächtigen hat gestanden, Kinderpornos aus dem Internet heruntergeladen zu haben. Bei rund zehn Prozent der Männer habe es sich um Wiederholungstäter gehandelt, sagte Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann. Vier der Beschuldigten hätten bereits selbst Kinder missbraucht. Bei den Tatverdächtigen handelte es sich laut Hövelmann überwiegend um gut situierte und alleinstehende Männer aus der gesamten Bundesrepublik.

Massenprüfung von Kreditkarten

Die Operation „Mikado“ unter der Federführung des Landeskriminalamtes Magdeburg und der Staatsanwaltschaft Halle hatte für Aufsehen gesorgt, weil erstmals Polizei und Banken zusammengearbeitet hatten. 14 Banken hätten auf Bitten der Ermittler Daten von knapp 20 Millionen Visa- und Mastercard-Kunden zur Verfügung gestellt, sagte der Sprecher des Innenministeriums in Sachsen-Anhalt, Martin Krems. Überprüft wurden Kartenbesitzer, die im Sommer 2006 eine bestimmte Summe auf ein verdächtiges Konto gezahlt hätten. Wie viele Kunden und Zahlungsvorgänge von den Geldinstituten tatsächlich überprüft wurden, ist bislang nicht bekannt.

Datenschützer nicht besorgt

Nach Angaben des Landesbeauftragten für Datenschutz in Sachsen-Anhalt, Harald von Bose, konzentrierte sich die Fahndung auf einen Kreis „bestimmter Verdächtiger“. Es sei nicht darum gegangen, sämtliche Finanztransaktionen aller deutschen Kreditkarteninhaber zu überprüfen. Man habe vielmehr die Namen eines ganz bestimmten Personenkreises herausfinden wollen. Eine Datenkontrolle bei allen 22 Millionen deutschen Kreditkartenbesitzern sei mit dem vorhandenen Personal technisch nicht möglich, so Bose.

Polizei und Staatsanwaltschaft selbst hatten keinen Zugriff auf die Kundendaten. Nach dem Ermittlungsrecht sei dieses Verfahren grundsätzlich erlaubt, sagte der stellvertretende Datenschutzbeauftragte Schleswig-Holsteins, Johann Bizer.

Bilder sexuell missbrauchter Kinder gefunden

Nach Überprüfung der Finanzdaten wurden in nahezu allen Bundesländern die Wohnungen der Verdächtigen durchsucht. Dabei hätten die Fahnder zahlreiches Beweismaterial sichergestellt, unter anderem Bilddateien von sexuell missbrauchten Kindern. Für die Fotos hätten die Pädophilen bei dem Internetportal mit Kreditkarten der Firmen Mastercard und Visa bezahlt, teilte das Innenministerium in Magdeburg mit. Die Hintermänner der fraglichen Kinderpornoangebote konnten bislang noch nicht ermittelt werden.

Für die Verteilung, den Erwerb und den Besitz von kinderpornografischen Inhalten sieht das Strafgesetzbuch Haftstrafen zwischen drei Monaten und fünf Jahren vor.

Original, Google Cache, archive.org

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