US-Offizier wegen Einsatzverweigerung vor Gericht

Ehren Watada hat als erster Berufsoffizier der Vereinigten Staaten im Juni 2006 den Marschbefehl in den Irak verweigert. Seine Begründung: Der Einsatz der US-Truppen im Irak sei illegal. Jetzt muss er sich vor einem US-Militärgericht verantworten. Ihm drohen vier Jahre Haft.

Von Marc Dugge, HR-Hörfunkstudio Washington

Ehren Watada hat das Zeug zu einem Teenager-Idol. Er ist 28, sieht glänzend aus und ist stets top angezogen. Ein sonnengebräunter Amerikaner japanischer Abstammung aus Hawaii, der von sich sagt, nur seinem Gewissen zu folgen. Und sich deswegen weigert, in den Irak zu gehen.

„Ich habe den Entschluss getroffen, weil ich soviel Leid und Schmerz gesehen habe. Bei den Soldaten und ihren Familien, bei unschuldigen Irakern und Menschen auf der ganzen Welt. Für etwas, dass ich als Täuschung und als Vertrauensmissbrauch am amerikanischen Volk empfinde“, sagt er.

Mutig oder Verrat an der Armee?

Täuschung, Vertrauensmissbrauch – ein illegaler Krieg: Worte, die man selten aus dem Munde eines Leutnants hört. Schon gar nicht in der Öffentlichkeit. Mutig nennen das die einen, Verrat an der Armee die anderen. Seine Gegner demonstrieren bei Veranstaltungen, auf denen Watada spricht – und davon gibt es viele.“Er liegt definitiv falsch“, sagt ein Watada-Gegner. „Als Offizier einen Befehl zu verweigern, weil man nicht mit politischen Entscheidungen einverstanden ist – das ist einfach nicht akzeptabel. Das ist ein Krieg für den Frieden und die Zivilisation, gegen die Mächte der Tyrrannei und des Bösen.”

Für viele ein Held

So ähnlich hat Ehren Watada vor vier Jahren auch noch gedacht. Als er sich freiwillig als Soldat meldete, weil er glaubte, sein Land verteidigen zu müssen, gegen Saddam Hussein und seine angeblichen Massenvernichtungswaffen. Das habe die Regierung damals immer erzählt, sagt er. Doch mit der Zeit bekommt er Zweifel an dem Einsatz. Als er für den Irak ausgebildet werden soll, will er nicht mehr. Watada schließt sich der Antikriegsbewegung an – und wird dort für viele zum Helden, mit Statements wie diesen:““Eine kräftige Berufsarmee, die nicht hinterfragen und widersprechen darf, bedroht eine demokratische Gesellschaft. Sie untergräbt das Wesen der Freiheit.”

Das sehen Militärs in den USA völlig anders. Der Armeeanwalt und Oberstleutnant Robert Resnick sagte im Radiosender NPR: “Damit unsere Demokratie erfolgreich ist, brauchen wir eine zivile Kontrolle des Militärs. Das bedeutet, dass wir Offiziere nicht die Autorität unserer zivilen Führung anzweifeln. Wir haben eine Befehlskette um Bedenken anzusprechen, aber wir machen das nicht öffentlich.”

Vier Jahre Haft drohen

Watada muss sich gleich in mehreren Anklagepunkten verantworten: Unziemliches Verhalten als Offizier, Befehlsverweigerung und Missachtung von Vorgesetze, wegen seiner Äußerungen zum Oberbefehlshaber der Armee, Präsident Bush. Wenn ihn das Militärgericht verurteilt, drohen ihm bis zu vier Jahre Gefängnis. Jetzt kann er darauf hoffen, dass viele seiner Kameraden die Dinge ähnlich sehen wie er. Die Gerichtsjury, die über das Strafmaß befindet, besteht nämlich nur aus Militärangehörigen.

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