Stürme, Hochwasser und Dürre

Mosambik erleidet derzeit die unterschiedlichsten Naturkatastrophen. Ein Zyklon hat das Urlaubsparadies Vilankulo verwüstet – mehr als 100.000 Menschen wurden obdachlos. Im Norden des Landes ist das Sambesital überflutet, und im Süden herrscht schlimme Dürre.

Von Dagmar Wittek, ARD-Hörfunkstudio Südafrika

Die Luxus-Hotelanlage Vilanculos hat der Zyklon plattgemacht und schlicht in der Luft zerfetzt. Bis zu 90 Prozent aller Häuser und Hütten im Küstenort Vilankulo seien zerstört, berichtet ein Mitarbeiter der Welthungerhilfe – fast alle der wunderschönen Luxusanlagen im Unesco-Welterbegebiet Bazaruto Archipel vor der Küste von Vilankulo seien nicht mehr. Nahezu alle Familen seien von den Sturmschäden betroffen, sagt Dieter Krebs. „Entweder sind die Häuser kaputt oder die Bäume sind umgerissen. Die Palmen sehen aus wie Rasierpinsel.“

Die Zufahrtsstraßen zum 120.000-Einwohner-Küstenstädtchen sind inzwischen wieder frei. Aber es gibt keinen Strom und die meisten Menschen wissen nicht, wo sie die nächste Nacht verbringen werden. „Man sieht die Leute mit ihrem bisschen Hab und Gut durch die Gegend ziehen zu Verwandten oder Bekannten“, berichtet Dieter Krebs, „einer hilft dem anderen“.

Mangel, wohin man schaut

Eines der akutesten Probleme ist, dass es kein sauberes Trinkwasser gibt. Dafür müsse die Stromversorgung schleunigst wiederhergestellt und Brunnen reaktiviert werden. Bislang sind die Behörden noch mit einer Bestandsaufnahme beschäftigt. Zehn Menschen starben offenbar durch den Zyklon, das Gefängnis gibt es nicht mehr, alle Gefangenen sind geflohen, das Krankenhaus hat kein Dach mehr, der eine Distriktarzt für 300.000 Einwohner ist erschöpft.

Zwei Dinge, sagt Krebs, würden am nötigsten gebraucht: Baumaterial und Wellbleche. „Und außerdem müssen auch Nahrungsmittel bereitgestellt werden, denn was in den Hütten war, ist natürlich alles nass und verdorben.“

Dürre im Süden des Landes

Mit der Lebensmittelversorgung ist es in Mosambik aber ohnehin zur Zeit schwer, da im Süden des Landes Dürre herrscht und rund eine Million Menschen von Lebensmittelhilfe abhängig sind. Parallel dazu benötigen über 120.000 Menschen weiter im Norden des Landes im überfluteten Sambesital Hilfe. Ludger Smolka, der zur Zeit für die Caritas das Hochwasserkrisengebiet besucht, sgt, die Nahrungsmittelsituation sei besorgniserregend. Zwar sei Hilfe unterwegs, zwar behaupte die Regierung, sie habe alles im Griff. „Aber in den Lagern in denen ich war, haben mir die Leute gesagt, was ihnen am allermeisten fehlt, ist Essen.“

Auch wenn Regierung, Katastrophenschutz und Hilfsorganisationen im Vergleich zur Hochwasserkatastrophe von 2000, bei der 700 Menschen starben, gut vorbereitet sind – die Summe aus Zyklon, Hochwasser, heftigen Regenfällen, weiteren angekündigten Zyklonen und Dürre im Süden verschärfen die Lage in Mosambik zusehends. Alle, sagt Smolka, bereiteten sich darauf vor, dass möglicherweise in relativ kurzer Zeit keine Nahrungsmittel mehr da sind. „Und man weiß nicht so recht: Schaffen Regierung und Uno es, so eine große Menge an Nahrungsmitteln heranzuschaffen?“

Original, Google Cache, archive.org

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