Eurovision mit oder ohne „Teapacks“?

In Kürze wollen die Organisatoren des Eurovision Song Contest entscheiden, ob die Band „Teapacks“ im Finale „Push the Button“ singen darf oder nicht. Das Lied der israelischen Erfolgsband sei zu politisch und verstoße damit gegen die Regularien des Song Contest, so der Vorwurf. In welche Richtung der Text interpretierbar ist, darüber wird gestritten.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Musik – zu politisch, zu düster, zu eindeutig – der Text der „Teapacks“, die Israel mit dem Song „Push the Button“ bei der Eurovision im Mai vertreten will, stieß in Helsinki bei einigen Organisatoren des Wettbewerbs auf harsche Kritik. Die Zeilen bezögen sich ganz klar auf die Drohungen des iranischen Staatspräsidenten Ahmadinedschad, Israel von der Landkarte verschwinden zu lassen.

Kein „süßer Song“

Leadsänger Kobi Oz, dessen Band in Israel seit fast 20 Jahren einen Hit nach dem anderen schreibt, ist sich der Provokation bewusst. „Vielleicht leben die Leute, die gegen diesen Song sind, in einer Seifenblase. Sie wollen nur Lieder über Liebe, und Erdbeeren mit Schlagsahne. Süße Songs. Aber die Welt geht in eine andere Richtung. Es gibt Gewalt und komische Gefühle deshalb. Dieses Lied wird in Finnland für Ärger sorgen und die haben vor uns Angst.“

Multilingual – in englisch, französisch und hebräisch – bringen die sechs Bandmitglieder ihre Gefühle über die aktuellen politischen Sorgen in Israel zum Ausdruck. Kobi Oz stammt aus Sderot, der israelischen Stadt, die keine fünf Kilometer vom Gaza-Streifen entfernt seit langem Ziel von Kassam-Raketen palästinensischer Extremisten ist.

„Dieses Lied ist deswegen ein Fest des Lebens“

„Wir singen über unsere Sehnsucht, in Ruhe zu leben, ohne Terror, ohne Drohungen. Und es ist ein wirklich europäischer Song, weil es überall Terror gibt und es überall verrückte Anführer gibt. Jeder kann den Knopf drücken und das Leben unterbrechen. Dieses Lied ist deswegen ein Fest des Lebens“, erläutert Kobi Oz.

In Kürze wollen die Organisatoren der Eurovision entscheiden, ob sie „Push the Button“ zum Wettbewerb zulassen wollen oder den israelischen Beitrag als zu politisch ablehnen, zu sehr auf den Iran und dessen Nuklearprogramm gemünzt. Für die Band steht fest, dass es keine Kompromisse gibt: „Die sollen es nehmen wie es ist oder eben nicht. Wir werden gar nichts ändern.“ In Israel werden die „Teapacks“ mehr denn je gefeiert – bei Auftritten jubeln ihnen vor allem viele junge Israelis zu, die auch in Uniform in den ersten Reihen stehen – und „Push the Button“ fast schon mitsingen können.

Original, Google Cache, archive.org

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