Russische Polizei prügelt Demonstranten nieder

Bei neuen Protesten der oppositionellen Bewegung „Anderes Russland“ ist die Polizei in St. Petersburg gewaltsam gegen Demonstrationsteilen vorgegangen. Auch ältere Menschen, Frauen und Kinder wurden geschlagen.

„Es war eine ganz normale Kundgebung, eine der friedlichsten Veranstaltungen seit langem“, berichtet ARD-Fernsehkorrespondent Stephan Stuchlik im Gespräch mit tagesschau.de. Die Teilnehmer kamen nach seinen Angaben aus dem gesamten politischen Spektrum. Nach dem Ende der genehmigten Kundgebung hätten die Organisatoren die Veranstalter gebeten, auf dem Nachhauseweg noch fünf Minuten „als normale Bürger“ an einer nahegelegenen U-Bahn-Station zu verharren. Dort hätten Polizisten der Omon-Sondereinheit des Innenministeriums begonnen, die Demonstranten wahllos zu drangsalieren und zu schlagen. Es habe Verletzte und Festnahmen gegeben. Unter anderem wurde der Führer der Nationalbolschewistischen Partei, Eduard Limonow, abgeführt. Die Polizei setzte ihn aber nach einigen Stunden wieder auf freien Fuß.

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ARD-Team angegriffen

Auch ein Tonmann von Stuchliks Team wurde angegriffen. Stuchlik selbst wurde bei dem Versuch, mit am Rande stehenden Schaulustigen zu sprechen, barsch von einem Beamten zurückgewiesen. „Als ich mich umdrehte und zurückging, spürte ich auf einmal einen Schlag ins Gesicht“, berichtet er. Er sei geschlagen und getreten worden. Dann wurde er in einem Polizeibus festgehalten, nach kurzer Zeit nach Intervention seines Teams und französischer Kollegen aber wieder freigelassen. „Journalisten kleiner russischer Medien ergeht es schlimmer“, sagte Stuchlik.

Kasparow zu Geldstrafe verurteilt

Am Samstag waren bei einer Kundgebung in Moskau mindestens 250 Demonstranten festgenommen worden, darunter auch der Oppositionspolitiker und frühere Schachweltmeister Garri Kasparow. Sie wurden inzwischen wieder freigelassen. Kasparow wurde wegen Beteiligung an einer verbotenen Demonstration zu einer Geldstrafe von 1000 Rubel (knapp 30 Euro) verurteilt.

Die Moskauer Polizei war laut Augenzeugenberichten hart gegen die Demonstranten vorgegangen. Am abgesperrten Puschkin-Platz prügelten Beamte mit Schlagstöcken auf friedliche Passanten ein, darunter Rentner, sagte der Parlamentsabgeordnete Wladimir Ryschkow dem Radiosender „Echo Moskwy“.

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