„Behördliches Versagen“ oder „Schaumschlägerei“?

Die Tätigkeit der früheren RAF-Terroristin Susanne Albrecht als Deutschlehrerin hat für einen heftigen Streit in der rot-schwarzen Bremer Koalition gesorgt. Zunächst hatte der Vorsitzende der Bremer CDU-Bürgerschaftsfraktion, Hartmut Perschau, „mit Erstaunen und Unverständnis“ auf Berichte reagiert, dass Albrecht seit Jahren in Bremen Migrantenkindern Deutschunterricht gibt. Perschau nannte es „völlig untragbar, dass unsere Kinder von einer verurteilten RAF-Terroristin unterrichtet werden“.

Unterstützung erhielt Perschau aus der Bundespolitik: Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) warf den Bremer Behörden in der „Bild“-Zeitung Versagen vor. „Es kann nicht sein, dass eine Ex-RAF-Terroristin ausgerechnet durch die Arbeit mit Kindern resozialisiert werden soll“, sagte Bosbach.

„Chance auf Neuanfang“

Bremens Ex-Bürgermeister Henning Scherf (SPD) sprach sich im „Weser-Kurier“ dagegen für eine Fortsetzung der Lehrtätigkeit von Albrecht aus. Scherf betonte, von der 57-jährigen studierten Pädagogin gehe keine Gefahr aus. „Ihre Taten sind 30 Jahre her. Sie hat sie tief und glaubwürdig bereut“, sagte Scherf. Albrecht habe nie selbst geschossen und nie eine Bombe gezündet. „Sie gehörte nicht zum harten Kern.“ Zudem sei sie 1991 in einem rechtstaatlichen Verfahren verurteilt worden.

Die Gesellschaft müsse nach einer Entlassung aus dem Strafvollzug bereit sein, Verurteilten eine Chance auf einen Neuanfang einzuräumen. „Wer das wegwirft, wirft das Fundament weg, auf dem unser zivilgesellschaftliches Zusammenleben organisiert ist“, fügte Scherf hinzu. Der langjährige Bremer Bürgermeister warnte die CDU zugleich davor, das Thema für einen „populistischen Wahlkampf“ zu missbrauchen.

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„Besonders widerliche Form des Wahlkampfs“

Die Bremer Grünen halten der CDU „populistische Schaumschlägerei in der Öffentlichkeit“ vor. Sie kritisierten die „künstliche Erregung der CDU-Fraktion“ als eine „besonders widerliche Form des Wahlkampfs“. Albrecht arbeite seit zehn Jahren gut integriert an einer Schule, sagte der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Matthias Güldner. Dies sei ein Beispiel für erfolgreiche Resozialisierung. Die CDU gehe auf Stimmenfang am rechten Rand und versuche, Hysterie zu schüren. „Die angebliche Sorge um die Kinder ist scheinheilig. Mit ihrer Attacke versucht die CDU-Fraktion, gerade an der Schule Unfrieden zu stiften“, fügte Güldner hinzu.

„Bild“-Zeitung berichtete über Albrechts Tätigkeit

Auslöser waren Berichte der „Bild“-Zeitung, dass Albrecht in Bremen arbeitete. Zuvor war nur bekannt gewesen, dass sie unter anderem Namen in Norddeutschland arbeitet. Bildungssenator Willi Lemke (SPD) sei allerdings erst vor einigen Wochen im Zusammenhang mit der Diskussion über die RAF darüber informiert worden, sagte ein Sprecher der Stadt Bremen. Albrecht erteilt an einer Bremer Grundschule eines freien Trägers Migrantenkindern Deutschunterricht.

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