Israel droht Hamas mit härterem Vorgehen

Israel will die Luftangriffe gegen die radikal-islamische Hamas ausweiten. Das gab ein Regierungssprecher nach der Kabinettssitzung bekannt. Zuvor hatte Premier Olmert die Hamas davor gewarnt, weiter Raketen auf die Grenzstadt Sderot abzufeuern. Sollte der Beschuss nicht aufhören, werde Israel mit Bodeneinheiten in den Gaza-Streifen einrücken.

Am Abend flog die Luftwaffe einen Angriff auf das Haus des Hamas-Politikers Kalil al Haja in Gaza. Dabei gab es nach palästinensischen Angaben acht Tote, darunter Familienmitglieder und Leibwächter al Hajas. Dieser habe sich zum Zeitpunkt des Angriffs nicht in dem Haus befunden.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Alle Anzeichen deuten auf eine weitere Eskalation der Gefechte zwischen Israel und der Hamas hin: Sollte die radikalislamische Palästinenser-Organisation die Angriffe mit Kassam-Raketen auf die Grenzstadt Sderot nicht einstellen, würde die isralische Armee ihre Operationen gegen die Hamas deutlich ausweiten. Dies machte Regierungschef Ehud Olmert während der wöchentlichen Kabinettssitzung in Jerusalem deutlich.

Minister fordern gezielte Angriffe auf Hamas-Führung

Bislang fliegt die israelische Luftwaffe Angriffe auf mutmaßliche Hamas-Ziele im Gaza-Streifen, Artillerie- oder Infanterieeinheiten sind in den vergangenen Tagen nicht zum Einsatz gekommen. Dies könnte sich ändern: Einige Minister der Regierung Olmert forderten, die Hamas-Führung gezielt mit Raketen anzugreifen und zu töten, einschließlich des palästinensischen Ministerpräsidenten Ismail Hanija. „Wir müssen deren Anführer mit aller Macht schlagen“, sagte etwa Olmerts Parteifreund, Minster Ze’ev Boim.

Noch deutlicher wurde Olmerts Minister für strategische Bedrohungen, Avigdor Lieberman, von der äußerst rechtsgerichteten russischen Einwandererpartei „Yisrael Beiteinu“. Er drohte dem Ministerpräsidenten, aus der Regierungskoalition auszuscheren, sollte Olmert nicht weitaus härter gegen die Hamas vorgehen. „Das ist der Augenblick der Wahrheit“, sagte Lieberman, der zugleich auch stellvertretender Ministerpräsident ist: „Entweder zerschlagen wir die Hamas, oder wir zerschlagen die Regierung.“ Jetzt sei die Zeit für „harte Aktionen“, so der Minister. Auch ohne die Einwandererpartei würde Olmert über eine ausreichende Mehrheit im Parlament verfügen.

Nach Einschätzung von Verteidigungsminister Amir Peretz hat die Hamas bei den bürgerkriegsähnlichen Kämpfen mit der Fatah eindeutig die Oberhand gewonnen. Bei den meisten der 73 toten palästinensischen Milizionäre, die durch die internen Unruhen ums Leben gekommen seien, habe es sich um Mitglieder der Fatah-Bewegung von Palästinenser-Präsident Abbas gehandelt.

unknown style: 33643392-2d97-4804-8ad5-e08d75af0ad3

Peretz lehnt Bodentruppen weiter ab

Der Verteidigungsminister sagte, er lehne es weiterhin ab, dass die Streitkräfte mit Bodentruppen in den Gaza-Streifen einrückten, um den Kassam-Beschuss zu stoppen. Die Region um Sderot wurde zum Notstandsgebiet erklärt. Im Verlauf des Tages schlugen dort erneut mehr als zehn Kassam-Raketen auf israelischer Seite ein.

Waffenruhe der Palästinenser hält bislang

Unterdessen setzte die israelische Luftwaffe ihre Angriffe auf mutmaßliche Hamas-Ziele im Gaza-Streifen fort. Dabei wurden drei Bewaffnete sowie ein 16-jähriger Junge getötet. Die am Samstag vereinbarte Waffenruhe zwischen Hamas und Fatah – die fünfte dieser Art innerhalb von sechs Tagen – hielt zunächst. Die Milizionäre der beiden verfeindeten Palästinenser-Organisationen begannen unterdessen damit, provisorische Straßensperren abzubauen und ihre Scharfschützen von den Häuserdächern abzuziehen.

Original, Google Cache, archive.org

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter tagesschau.de abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.