Noch ein Großfeuer lodert auf dem Peloponnes

Die Feuerwehren haben die meisten Brände in Griechenland eindämmen können. Doch die jüngste Bilanz ist verheerend: 64 Menschen kamen ums Leben, etwa 1500 Häuser wurden zerstört. Auf dem südlichen Peloponnes ist die Gefahr noch nicht gebannt. Dort lodert das Feuer weiter.

Von Thomas Bormann, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Ein Großbrand macht der griechischen Feuerwehr noch Sorgen. Auf der südlichen Halbinsel Peloponnes mussten deshalb vorsorglich noch einmal 13 Dörfer evakuiert werden. Ansonsten aber konnten die Feuerwehrleute einen Waldbrand nach dem anderen löschen – auch mit Unterstützung aus dem Ausland, unter anderem der Bundeswehr.

Deren Einsatz bei der Waldbrandbekämpfung in Griechenland verlängerte Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung inzwischen. Die Bundeswehr wird mehr Soldaten und mehr Ersatzgerät ins Katastrophengebiet bringen.

64 Tote, mindestens 1500 Häuser zerstört

Seit nunmehr einer Woche brennen die Feuer in Griechenland. Betroffen sind vor allem die südgriechische Halbinsel Peloponnes und die Insel Euböa nordöstlich von Athen. 64 Menschen kamen ums Leben. Mehr als hundert Dörfer wurden zerstört, Wälder und Plantagen sind verbrannt. Viele Bauern stehen vor dem Nichts. Sie haben ihr Vieh verloren, ihre Olivenbäume, ihre Häuser. Nach jüngsten Schätzungen wurden mindestens 1500 Häuser zerstört.

„Es ist schlimm, ganz schlimm“, sagt ein griechischer Bauer. Er kann es kaum fassen, dass auch die Kirche in seinem Heimatdorf Opfer der Flammen wurde. „Seit meiner Kindheit bin ich immer in diese Kirche gegangen. Hier habe ich gelernt, was die Apostel gesagt haben. Und jetzt das!“

Quasi als Retter in der Not präsentiert sich Ministerpräsident Kostas Karamanlis. Er überraschte die griechische Öffentlichkeit gestern mit einer Art frohen Botschaft: „Ich möchte Ihnen jetzt mitteilen, dass die Regierung den Wiederaufbau der Häuser übernehmen wird“, sagt er. Und er fügt hinzu: „Mit Hilfe von Spenden, die die Bürger überall im Land und auf der Welt sammeln“.

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Hilfe mit Blick auf Wahlen?

Ein vollmundiges Versprechen, das Karamanlis da gab. Vielleicht, weil in gut zwei Wochen Parlamentswahlen sind, munkeln viele in Griechenland. Karamanlis von der konservativen Regierungspartei Nea Demokratia baut nach jüngsten Umfragen seinen Vorsprung vor der sozialistischen Opposition aus. Mit dem Versprechen, alle Häuser wieder aufzubauen, kann er seinen Vorsprung womöglich absichern. Aber er steht im Wort. Wenn private Spenden aus Griechenland und von den rund dreieinhalb Millionen Auslandsgriechen rund um den Globus nicht sprudeln, muss die Regierung den Rest bezahlen.

Immerhin kann Griechenland mit großzügiger Hilfe der EU rechnen. EU-Regionalkommissarin Danuta Hübner will heute Griechenland besuchen, sich einen Überblick über das Ausmaß der Schäden verschaffen und dann konkrete Hilfen planen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte bereits gestern versprochen, dass mit dem Erlöschen der Feuer die europäische Solidarität nicht aufhöre.

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