„Er hatte eine göttliche Stimme“

Kaum einer konnte das hohe C so lange halten wie er, kaum einer war so stimmgewaltig: Luciano Pavarotti, einer der bedeutendsten Tenöre der Welt, ist tot. Der Star-Tenor starb in seiner Heimatstadt Modena im Alter von 71 Jahren an einer Krebserkrankung. Am Samstag soll er in Modena beerdigt werden. Die Trauer um den populären Star-Tenor ist weltweit groß.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Hörfunkstudio Rom

„Er war ein Mann, ein Sänger, der große Emotionen auslöste – und zwar überall auf der Welt. Er ist ein ganz besonderer Künstler gewesen“, sagte eine Opernliebhaberin in Rom. Die Anhänger in Italien trauern um Luciano Pavarotti.

Auch die Kollegen des Star-Tenors reagierten betroffen auf die Todesnachricht. Er sei einer der größten Sänger aller Zeiten gewesen, sagt der populäre italienische Tenor Andrea Bocelli. Pavarotti, so Bocelli, habe seine Karriere entscheidend beeinflusst: „Nicht nur mit seinen vielen Ratschlägen, die er mir im persönlichen Gespräch gab, hat er mir geholfen. Sondern auch indirekt habe ich von ihm gelernt, indem ich immer wieder seine Aufnahmen gehört oder ihn auch bei Live-Auftritten erlebt habe. Ich habe ihn künstlerisch bewundert, geradezu verehrt. Er war die letzte wirklich große Figur in unserem Geschäft.“

Der Tenor mit der „göttlichen Stimme“

Pavarotti bleibe unvergessen, sagte der spanische Opernstar Placido Domingo, mit dem der verstorbene Sänger als Teil der „Drei Tenöre“ auf der Bühne stand. Er habe, so Domingo, Pavarottis „göttliche“ Stimme bewundert und auch seinen Sinn für Humor. Auch José Carreras reagierte tief bestürzt und würdigte Pavarotti als großen Sänger.

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Seit längerem war bekannt, dass Pavarotti an Bauchspeicheldrüsenkrebs litt. Wegen dieser Krankheit hatte er eine 2004 begonnene Abschiedstournee im vergangenen Jahr abbrechen müssen. In den letzten Tagen hatte sich der Gesundheitszustand des Opernstars drama­tisch verschlechtert.

Pavarotti wollte zu Hause sterben

Auf eigenen Wunsch war Pavarotti – in Begleitung von Ärzten – Ende August aus der Universitätsklinik seiner Heimat­stadt Modena nach Hause zurückgekehrt. Heute früh, gegen fünf Uhr, so der behandelnde Arzt Antonio Frasoldati, sei der Opernstar gestorben. In der Stunde seines Todes habe Pavarotti seine Familie um sich gehabt: „Er war von seinen Familienangehörigen umgeben, die ihn mit großer Anteil­nahme begleitet haben. Sowohl seine Frau Nicoletta als auch seine Töchter sind ihm bis zuletzt nahe gewesen“, sagte Frasoldati.

Es sei, heißt es im italienischen Fernsehen, Pavarottis ausdrücklicher Wunsch gewesen, zu Hause zu sterben. Vor wenigen Wochen hatte es in der Öffent­licheit noch Hoffnung auf eine Genesung des Opernstars gegeben. Seine Frau Nicoletta sagte Anfang Juli, Pavarotti gehe es besser und er arbeite an neuen Aufnahmen.

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In allen Operhäusern dieser Welt unterwegs

Der Sohn eines Bäckers war 1961 berühmt geworden, als er einen Gesangs­wettbewerb gewann und danach am Opernhaus in Reggio Emilia als Rodolfo in Puccinis „La Bohéme“ auftrat. Sieben Jahre später gab er sein Debüt an der Metropolitan Opera in New York. Seine größten Erfolge hatte Pavarotti in den Siebziger- und Achtzigerjahren. In Berlin feierte ihn das Publikum für seine Rolle als Nemorino in Donizettis „Liebestrank“ mit 115 Vorhängen.

Wie kein anderer Opernsänger machte Pavarotti die klassische Musik bei einem breiten Publikum populär. Eine Aufnahme der „Drei Tenöre“ mit Domingo und José Carreras verkaufte sich über 10 Millionen Mal. Pavarotti trat aber auch mit Popstars wie Bon Jovi oder Zucchero auf.

Der Bürgermeister seines Heimatortes Modena kündigte an, das Stadttheater nach dem verstorbenen Opernstar zu benennen. Der Chef der Wiener Staatsoper ließ am Gebäude in der österreichischen Hauptstadt eine schwarze Fahne hochziehen als Zeichen der Anteilnahme. Mit Pavarotti, so sein Kommentar, habe die Welt die schönste Tenorstimme unserer Zeit verloren.

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