Spannende Stichwahl in Guatemala erwartet

Bei der Präsidentschaftswahl in Guatemala zeichnet sich eine Stichwahl zwischen dem Zentrumspolitiker Alvaro Colom und dem rechtsgerichteten früheren Bürgerkriegsgeneral Otto Perez Molina ab. Das oberste Wahlgericht des Landes teilte nach Auszählung von gut 76 Prozent der Stimmen mit, dass Colom mit 28,0 Prozent knapp vor seinem Konkurrenten Pérez (24,6 Prozent) liege.

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Friedensnobelpreisträgerin Menchu ausgeschieden

Der Kandidat der amtierenden Regierungspartei, Alejandro Giammatei, kam mit 17,5 Prozent auf den dritten Platz. Die Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchu erreichte bei dem Urnengang nur drei Prozent der Stimmen und ist damit sicher ausgeschieden. Menchú, eine Angehörige der Maya, war 1992 für ihr Engagement für die indigene Bevölkerung in Guatemala ausgezeichnet worden.

Perez Molina von der Patriotischen Partei (PP) hatte angekündigt, im Falle eines Wahlsiegs die Streitkräfte im Kampf gegen die verbreitete Kriminalität einzusetzen und die Polizei aufzustocken. Colom von der linksgerichten Nationalen Union der Hoffnung (UNE) will die Sozialausgaben zugunsten der Armen anheben und das Justizsystem reformieren. Die Stichwahl findet am 4. November statt.

Organisierte Kriminalität bestimmte den Wahlkampf

Zentrales Wahlkampfthema war jedoch nicht die Beteiligung der indigenen Bevölkerung an der Regierung, sondern die Sicherheit und die Unterwanderung des Staates und seiner Institutionen durch die organisierte Kriminalität. Guatemala gehört neben El Salvador und Honduras zu den Ländern mit den meisten Morden in Amerika. Mehr als zehn Menschen werden durchschnittlich pro Tag getötet.

Ruhiger Urnengang nach blutigem Wahlkampf

Auch der Wahlkampf war von gewalttätigen Zwischenfällen mit zahlreichen Toten überschattet. Die Angaben über die Zahl der Opfer schwanken zwischen 20 und 50. Der Wahlgang selbst verlief jedoch ruhig. Der Chef der EU-Beobachtermission, Wolfgang Kreissl-Dörfler, äußerte sich „angenehm überrascht“ vom friedlichen Ablauf der Wahl. 20.000 Polizisten und 11.500 Soldaten waren im Einsatz, um über die Sicherheit der Wähler zu wachen.

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