Klöster in der Hauptstadt Rangun gestürmt

Die Militärregierung übt weiter Druck auf die Demonstranten in Birma aus. In der Nacht haben Soldaten mehrere Klöster in Rangun durchsucht und dabei mehr als 100 Mönche festgenommen. Außerdem errichteten Sicherheitskräfte an strategisch wichtigen Orten in Ranung vor einigen Pagoden Barrikaden. Damit sollen weitere Proteste verhindert werden.

Erstmals Tote bei den Protesten

Am Tag kam es bei den seit Tagen anhaltenden Protesten erstmals auch zu Gewalt: In Rangun eröffneten Soldaten offenbar das Feuer auf protestierende Mönche und andere Bürger. Einsatzkräfte hätten zunächst Warnschüsse in die Luft abgegeben, dann aber auch gezielt geschossen, sagte der Diplomat Emmanuel Mouriez dem französischen Radiosender RTL. „Man kann sicher sein, dass Blut geflossen ist“, sagte er.

Die Militärregierung in Birma betätigte inzwischen, dass bei den Auseinandersetzungen eine Zivilperson ums Leben gekommen ist. Zudem seien in Rangun drei Menschen verletzt worden, hieß es in einer Erklärung der Regierung, die im Fernsehen und Radio verbreitet wurde. Laut Augenzeugenberichten wurden allerdings mindestens acht Menschen getötet und 150 verletzt. Die Soldaten hätten zudem Demonstranten zusammengeschlagen und andere mit Militärlastwagen weggebracht. Mitarbeiter eines Krankenhauses in Rangun hatten zuvor mitgeteilt, sie seien angewiesen worden, sich auf die Aufnahme von Patienten vorzubereiten.

Bis zu 100.000 Demonstranten

Dass die Militärjunta in Birma zum Durchgreifen entschlossen ist, daran hatte sie keinen Zweifel mehr gelassen. Überall in Rangun postierte sie bewaffnete Soldaten und erließ ein Versammlungsverbot. Doch trotzdem gingen in der größten Stadt des Landes 10.000 Mönche und zahlreiche Sympathisanten auf die Straße. Agenturen geben die Zahl der Protestler sogar mit 100.000 an. Nach Agenturberichten kam es außerdem in der Hafenstadt Sittwe zu Protesten. Angeführt von Mönchen zogen tausende Demonstranten durch die 560 Kilometer westlich von Rangun gelegene Stadt. Polizisten säumten die Straßen, über Ausschreitungen ist bislang nichts bekannt.

Bei den Demonstrationen handelt es sich um die größten öffentlichen Proteste seit der Niederschlagung der Demokratie-Bewegung im Jahr 1988. Damals waren mindestens 3000 Menschen getötet worden. Gegen buddhistische Mönche war die Regierung bislang nie gewaltsam vorgegangen, denn sie werden vom Volk tief verehrt.

Anmerkung der Redaktion: Verlässliche Angaben aus dem Land zu bekommen ist schwierig. Die seit 45 Jahren regierende Militärjunta kontrolliert die heimischen Medien streng und seit dem Beginn der Proteste wurde ausländischen Journalisten kein Einreisevisum mehr erteilt.

Original, Google Cache, archive.org

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