Priester wegen schwerster Verbrechen verurteilt

Erstmals ist in Argentinien ein katholischer Priester wegen der Beteiligung an Verbrechen während der Militärdiktatur verurteilt worden. Das Gericht in La Plata bei Buenos Aires verurteilte den 69-jährigen früheren Polizeikaplan der argentinischen Hauptstadt, Christian von Wernich, zu lebenslanger Haft.

Die Richter sahen es als erwiesen an, dass von Wernich während des so genannten „Schmutzigen Krieges“ in Argentinien an der Verschleppung, Folter und Ermordung linksgerichteter Regimegegner beteiligt gewesen war. Sie sprachen den Deutschstämmigen der Beteiligung an sieben Morden, 31 Fällen von Folter und 42 Entführungen schuldig. Von Wernichs Verteidiger hatte zuvor auf Freispruch plädiert und wies die Vorwürfe als übertrieben zurück. Er sprach von einem ideologisch motivierten Angriff auf die katholische Kirche.

Katholische Kirche: „Komplizin der Diktatur“

Der Prozess war in Argentinien auf großes öffentliches Interesse gestoßen. Die Urteilsverkündung wurde live im Fernsehen übertragen. Nach Bekanntwerden der Entscheidung brachen vor dem Gericht zahlreiche Opfer und Hinterbliebene in Jubel aus. „Die Gerechtigkeit hat gesiegt. Die katholische Kirche war eine Komplizin“, sagte Tati Almeyda vom Hinterbliebenen-Bündnis der Mütter vom Plaza de Mayo.

Während der argentinischen Militärdiktatur von 1976 bis 1983 wurden schätzungsweise rund 30.000 Menschen verschleppt, gefoltert und ermordet. Die meisten Fälle sind bis heute ungeklärt. Der linksgerichtete Präsident Nestor Kirchner setzte sich jedoch zuletzt für eine Aufhebung von Amnestie-Regelungen ein, mit denen bisher die Untersuchung und juristische Verfolgung der Menschenrechtsverletzungen verhindert worden waren.

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