Ankara ruft Botschafter aus den USA zurück

Die Stimmung zwischen Washington und Ankara verschlechtert sich. Einen Tag, nach dem der Auswärtige Ausschuss des US-Repräsentantenhauses eine Armenien-Resolution verabschiedet hat, rief die Türkei ihren Botschafter aus den USA vorübergehend zurück. Botschafter Nabi Sensoy werde bis zu zehn Tagen zu Konsultationen in der Türkei bleiben, verkündete der Sprecher des Außenministeriums in Ankara, Levent Bilman.

Türkei lehnt Verantwortung ab

Hintergrund der diplomatischen Verstimmung ist eine Resoultion, die die oppositionellen Demokraten im Auswärtigen Ausschuss gegen den Willen von US-Präsident George W. Bush verabschiedeten. Darin wird das Massaker an den Armeniern im Osmansichen Reich vor mehr als 90 Jahren als Völkermord bezeichnet. Die Türkei lehnt eine Verantwortung für die Tötung der schätzungsweise 1,5 Millionen Armenier ab. Zudem seien nach türkischer Ansicht, entgegen der Auffassung vieler Historiker, die Zahlen übertrieben. Der türkische Präsident Abullah Gül warf den Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses vor, „wichtige Angelegenheiten kleinkarierten innenpolitischen Querelen geopfert“ zu haben.

Bush will Ankara als Partner nicht verlieren

Das Weiße Haus hatte bis zuletzt vor der Verabschiedung einer solchen Resolution gewarnt. Neben Präsident Bush sprachen sich auch Außenministerin Condoleezza Rice und Verteidigungsminister Robert Gates gegen den Entschluss aus. Die Türkei sei ein wichtiger Partner in der Nato im Kampf gegen den Terror. Allen 70 Prozent der amerikanischen Lufttransporte in den Irak laufen über die Türkei. Dem entsprechend zeigte sich die US-Regierung besorgt, Ankara könnte diese Verbindungswege kappen.

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