Auf Bali macht sich verhaltener Optimismus breit

Für Balis Traumstrände dürften die Teilnehmer der Klimakonferenz in den nächsten Tagen kaum Augen haben. Stattdessen wartet auf die rund 10.000 Umweltexperten und Politiker eine Menge Arbeit: Sie sollen den Weg ebnen für ein Nachfolgeabkommen des Kyoto-Protokolls – keine ganz leichte Aufgabe. Beifall gab es zum Auftakt für die Australier.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Hörfunkstudio Südasien

Mit eindringlichen Warnungen vor den Folgen des Klimawandels hat auf der indonesischen Ferieninsel Bali die UN-Klimakonferenz begonnen. Mehr als 10.000 Umweltexperten und Politiker aus der ganzen Welt beraten bis zum 14. Dezember über ein Nachfolgeabkommen für das im Jahr 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll.

Vor allem von Seiten der europäischen Staaten gibt es klare Erwartungen. Bis zum Jahr 2050 müsse der weltweite Ausstoß von Treibhausgasen halbiert werden, sagte der Chefunterhändler der Europäer, Artur Runge-Metzger. Ziel müsse sein, dass sich die Vertragsstaaten auf die Aufnahme von Verhandlungen einigten. „Die Verhandlungen sollten höchstens zwei Jahre dauern, um zu einem Ende zu kommen“, sagte Runge-Metzger. Sicherlich wäre es sinnvoll, so der Unterhändler, dem Verhandlungsprozess eine Richtung zu geben – etwa indem man festlege, die Emisionen auf 50 Prozent herunterzusetzen bis 2050. „Wir werden sehen, wie weit wir kommen“, so Runge. Auf Seiten der Entwicklungsländer gebe es gewisse Ängste. „Da muss man sehen, wie das im Verhandlungsprozess gelöst werden kann.“

USA geben sich kooperationswillig

Während die Entwicklungs- und Schwellenländer noch davon überzeugt werden müssen, dass Maßnahmen gegen den Klimawandel die wirtschaftliche Entwicklung nicht zwangsläufig gefährden, haben sich die USA in Bali kooperationsbereit gezeigt. „Die USA sind entschlossen an einem neuen Abkommen für die Zeit nach 2012 mitzuverhandeln“, sagte der US-Chefunterhändler Harlan Watson. „Eine neue Klimaschutzvereinbarung muss nachhaltig sein und auch die wirtschaftlichen Interessen der einzelnen Staaten berücksichtigen. Wir sind entschlossen, die Verhandlungen darüber bis zum Jahr 2009 erfolgreich abzuschließen.

Die USA und Australien waren die einzigen Industriestaaten, die das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet hatten, doch seit heute stehen die USA alleine da. Die neue australische Regierung vollzog eine Wende in der Umweltpolitik. Als erste Amtshandlung nach seiner Vereidigung unterzeichnete der neue australische Premierminister Kevin Rudd heute das Kyoto-Protokoll. Auf Bali brach großer Beifall aus, als der australische Delegationsleiter die Unterzeichnung bekannt gab.

Zum Auftakt der UN-Klimakonferenz machte sich deshalb heute vorsichtiger Optimismus breit. Wie konkret die sogenannte Road Map für die weiteren Verhandlungen am Ende aussieht, wird aber erst am 14. Dezember feststehen.

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