„Kein tragfähiges Finanz-Konzept“

Der Postdienstleister PIN soll trotz der gescheiterten Verhandlungen über eine neue Gesellschafterstruktur zunächst fortgeführt werden. Der Sanierungsexperte Horst Piepenburg übernehme den Chefposten bei der PIN Group AG und werde „alle Optionen einer Fortführung der Unternehmensgruppe prüfen“, hieß es in einer Unternehmensmitteilung. „Derzeit laufen alle operativen Geschäfte weiter“. Unterstützt werden soll er von Hans-Joachim Ziems, der die insolvente Kirch Media Group saniert hat.

Die Rettungschancen für den angeschlagenen Postdienstleister PIN waren zuvor deutlich gesunken. „Im Rahmen der heutigen Verwaltungsratssitzung der PIN Group AG wurde deutlich, dass die Gesellschafter kein gemeinsames tragfähiges Finanzierungskonzept für die Fortführung des Geschäfts der PIN Group gefunden haben“, teilte Mehrheitseigner Springer mit.

Springer schreibt 620 Millionen Euro ab

Der Verlag geht offenbar bereits von einer Insolvenz des Unternehmens aus. Er teilte mit, für den Konzernabschluss ergebe sich daraus voraussichtlich ein Abschreibungsbedarf von bis zu 620 Millionen Euro. Dies werde sich negativ auf den Konzernjahresüberschuss auswirken.

Der Chef und Minderheitsaktionär der PIN Group AG, Günter Thiel, hatte zuvor die Verhandlungen mit Haupteigentümer Springer über eine Übernahme von PIN überraschend wieder aufgenommen, obwohl er bereits gestern sein Kaufangebot zurückgezogen und seinen Rücktritt als Vorstandsvorsitzender erklärt hatte. Die „Süddeutsche Zeitung“ meldete, Thiel habe sein Angebot für eine PIN-Übernahme nachgebessert.

Von der drohenden Insolvenz sind mehr als 9.000 Mitarbeiter betroffen. Springer besitzt knapp zwei Drittel der PIN-Anteile, Thiel hält über seine Beteiligungsfirma Rosalia zehn Prozent an PIN.

Kleinere Anteile halten mehrere große Zeitungsverlage wie WAZ, Holtzbrinck, Madsack und DuMont Schauberg. Springer hatte seine Zahlungen an PIN mit der Begründung eingestellt, nach dem Bundestagsbeschluss zum Post-Mindestlohn gebe es keine Perspektive mehr für das Geschäftsmodell von PIN.

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