Mysteriöser Tod eines Regimekritikers

Der georgische Oppositionspolitiker und Milliardär Badri Patarkazischwili ist überraschend in seinem Londoner Exil gestorben. Er war erst 52 Jahre alt. Der frühere Präsidentschaftskandidat und wohl reichste Geschäftsmann Georgiens soll nach Angaben seines Sprechers einem Herzstillstand erlegen sein.

Zweifel am „Herzversagen“

Zweifel am „Herzversagen“ meldete bereits kurze Zeit nach dem Tod die georgische Opposition an. Sie vermutet einen Anschlag auf Patarkaschwili, der als Erzfeind von Georgiens Präsident Michail Saakaschwili galt. „Ich bin mir praktisch sicher, dass das kein natürlicher Tod war“, sagte die Vorsitzende der Partei Imedi, Irina Sarischwili.

Patarkaschwili selbst hatte anscheinend seit längerem einen Mordanschlag befürchtet. „Ich habe 120 Leibwächter, aber ich weiß, das ist nicht genug“, hatte er erst im Dezember gesagt. „Ich fühle mich nirgends sicher und reise deshalb auch nicht mehr in meine georgische Heimat.“ Ebenfalls in London war Ende 2006 der Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko gestorben – an einer Vergiftung mit dem Strahlengift Polonium 210. Die britische Polizei stufte den Fall als „verdächtig“ ein. Sie ordnete – wie bei anderen plötzlichen Todesfällen – auch eine Obduktion an.

Enge Kontakte nach Israel, Russland und Großbritannien

Der frühere georgische Präsident Eduard Schewardnadse bezeichnete den Tod Patarkazischwilis als „großen Verlust“ für sein Land. „Er wollte vieles erreichen und hat auch viel geschafft für Georgien“, sagte der einstige sowjetische Außenminister nach Agenturangaben. Die georgische Justiz suchte Patarkazischwili allerdings mit Haftbefehl, weil er ein Attentat auf einen Politiker geplant und einen Staatsstreich vorbereitet haben soll.

Patarkazischwili hatte im Januar noch aus dem Exil bei der georgischen Präsidentenwahl kandidiert, war Amtsinhaber Saakaschwili aber unterlegen. Der Oligarch lebte zuletzt in Großbritannien und Israel. Er unterhielt in London enge Kontakte zu seinem langjährigen Geschäftspartner, dem Oligarchen und Kremlkritiker Boris Beresowski.

Patarkazischwili war bei umstrittenen russischen Privatisierungsgeschäften in den neunziger Jahren zu Reichtum gekommenen. Nach der Rosenrevolution in Georgien im Jahr 2003 sympathisierte er zunächst mit der neuen Staatsführung. Nach einem Zerwürfnis mit Präsident Saakaschwili unterstützte er mit großen Geldsummen die Opposition seines Landes.

Nach der gewaltsamen Zerschlagung von Oppositionsprotesten in Tiflis durch die Polizei im November des Vorjahres rief Patarkazischwili seine Landsleute dazu auf, Saakaschwilis Regime abzulösen. Es ist der zweite mysteriöse Tod eines georgischen Spitzenpolitikers innerhalb von drei Jahren. Anfang 2005 war der damalige Regierungschef Surab Schwania im Alter von 41 Jahren bei einem Gasunfall in der Wohnung eines Freundes in Tiflis ums Leben gekommen.

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