Hunderte Prominente im Visier der Staatsanwaltschaft

Aus für Klaus Zumwinkel. Einen Tag nach der Aufdeckung der Steueraffäre hat der 64-jährige Topmanager seinen Platz an der Spitze der Deutschen Post aufgegeben. Darüber hinaus soll er auch den Vorsitz im Aufsichtsrat der Deutschen Telekom räumen. Als Großaktionärin beider Unternehmen reagierte die Bundesregierung schnell. Sie nahm Zumwinkels Rücktrittsangebot umgehend an. Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte den Rückzug. Zugleich kritisierte sie das Verhalten des Postchefs in der Affäre. Merkel hätte sich gewünscht, dass Zumwinkel sich öffentlich zu den Vorwürfen äußere, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Die Kanzlerin sei der Auffassung, dass Einzelfälle wie die Vorwürfe gegen Zumwinkel „Vertrauen kosten“. Der Druck auf Zumwinkel war nach Bekanntwerden der Vorwürfe einer millionenschweren Steuerhinterziehung immer stärker geworden.

Noch ist offen, wer Zumwinkels Nachfolger wird. Im Gespräch ist Vorstandsmitglied Frank Appel. Der 46-Jährige ist verantwortlich für das Logistikgeschäft und gilt seit geraumer Zeit als „Kronprinz“. Aber auch Finanzvorstand John Allan (59) könnte als möglicher Interimskandidat im Spiel sein.

Ermittlungen gegen weitere „wohlhabende Deutsche“

Die Staatsanwaltschaft Bochum bestätigte inzwischen, dass bei der Behörde mehrere hundert Strafverfahren anhängig sind. Die vorliegenden Erkenntnisse hätten „eine sehr hohe Beweiskraft“. Um die Fülle des Materials bearbeiten zu können, hätten auch die Generalstaatsanwälte in Düsseldorf und Köln Ermittler abgestellt, die zusammen mit Bochumer Staatsanwälten die Fälle bearbeiteten. Nach Angaben des „Handelsblattes“ erhielten die Fahnder massenhaft Unterlagen aus der LGT-Bank, der Bank der liechtensteinischen Fürstenfamilie. „Wir haben die ganze Bank geknackt“, wird ein Ermittler zitiert. Woher genau die Datensätze stammen, ist unklar.

Ein Sprecher von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück erklärte, es werde gegen „sehr, sehr viele bekannte und weniger bekannte Leistungsträger“ wegen Steuerflucht nach Liechtenstein ermittelt. Das Finanzministerium riet Betroffenen zur Selbstanzeige. Dieses Instrument sehe das deutsche Steuerstrafrecht vor.

Der BND als „Bote“

Der Bundesnachrichtendienst (BND) leistete den Steuerfahndern und der Staatsanwaltschaft in Bochum Amtshilfe. Entsprechende Meldungen wurden inzwischen bestätigt. Ein Informant hatte sich mit Unterlagen an den für Auslandsaufklärung zuständigen deutschen Nachrichtendienst gewandt. Der BND nahm aber keine eigenen Ermittlungen auf, sondern fungierte als „Bote“ und reichte die Unterlagen an die zuständigen Steuerbehörden weiter.

Haftbefehl gegen Zumwinkel ausgesetzt

Bei einer Razzia waren gestern das Privathaus Zumwinkels in Köln und dessen Büro in der Bonner Konzernzentrale durchsucht worden. Gegen eine Kaution wurde ein Haftbefehl gegen ihn außer Kraft gesetzt.

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