Zielscheibe Olympische Spiele?

Die Olympischen Spiele von Peking geraten offenbar immer stärker ins Visier von Terroristen. Sicherheitskräfte vereitelten nach eigener Aussage erneut einen Anschlag. Menschenrechtsgruppen kritisieren hingegen, dass China unter dem Vorwand der Terrorismusbekämpfung Oppositionelle verschwinden lässt.

Von Petra Aldenrath, ARD-Hörfunkstudio Peking

Die Olympischen Spiele nahen und China gerät immer mehr ins Visier von Terroristen. Anfang Januar wurden bei einer Polizeiaktion zwei mutmaßliche Terroristen erschossen und 15 weitere inhaftiert. Die Gruppe sollte angeblich einen Anschlag auf die Spiele vorbereiten, heißt es. Schon Anfang März war eine australische Reisegruppe in der Touristenhochburg Xian entführt worden. Der Kidnapper wurde erschossen.

Jetzt wollten Terroristen offenbar eine Maschine auf ihrem Weg von Urumqi nach Peking zum Absturz bringen oder sie bei der Landung explodieren lassen. Ob der geplante Anschlag mit den Olympischen Spielen in Zusammenhang steht, ist noch nicht geklärt.

China muss sich wappnen

Die Vorfälle aber zeigten, dass China sich gut wappnen müsse, sagt Li Wie vom Internationalen Anti-Terrorismuszentrum in Peking. Terroranschläge würden von langer Hand geplant, ihre Art ändere sich kontinuierlich, sagt er: „Kein Land kann von sich sagen, es sei hundertprozentig gegen Terror gefeit. Terrornetze wie Al Kaida sind nicht geschwächt, sie finden immer ausgetüfteltere Wege um Anschläge zu planen. Aber Peking hat seine Antiterrormaßnahmen gestärkt und ich bin zuversichtlich, dass China sicher genug sein wird.“

Bei den Sicherheitsvorkehrungen für die Olympischen Spiele bekommt Peking Hilfe von Interpol und dem FBI. Außerdem macht China auch selber mobil. Während der Olympischen Spiele stehen Truppen der Volksbefreiungsarmee in Alarmbereitschaft, 80.000 Sicherheitskräfte mit Spezialausbildung übernehmen den Schutz der Spiele, 150.000 Angestellte von Sicherheitsfirmen werden abkommandiert und zusätzlich kämen 600.000 freiwillige Helfer. Peking plant einen gigantischen Sicherheitsapparat.

Gefahr im eigenen Land

Die größte Gefahr, sagt Li, komme aus China selbst, vor allem von einer „Islamistischen Unabhängigkeitsbewegung Ostturkestan“, die als internationale Terrorgruppe eingestuft werde. In den 90er Jahren habe sie mehrere Anschläge verübt, im vergangenen Jahr sei ein Terrorcamp in der Pamirregion ausgehoben worden. „Sie aufzuhalten ist vorrangiges Ziel der Antiterrorbekämpfung“, sagt Li.

Die „Islamistische Unabhängigkeitsbewegung Ostturkestan“ soll unter anderem in den muslimischen Gebieten Chinas agieren, beispielsweise in der Provinz Xinjiang. Auch das nun verhinderte Attentat auf ein Flugzeug ging von dort aus. Er habe gezeigt, dass es noch Schwachstellen gebe, sagt Li: „Bei dem vereitelten Flugzeuganschlag sollten anscheinend entflammbare Flüssigkeiten benutzt werden. Ich denke, China muss seine Antiterrormaßnahmen noch mal überprüfen.“

Selten strenge Kontrollen

Wie zum Beispiel bei der Kontrolle der Passagiere an den Flughäfen, die an vielen Orten Chinas nicht streng ist. Passagiere, die Dutzende Pakete und Tüten als Handgepäck mitnehmen, sind in China keine Seltenheit. Nach dem vereitelten Attentat wird China strenger auf die Einhaltung international üblicher Sicherheitsbedingungen achten.  

Zum anderen werden aber sicher auch die muslimischen Gebiete Chinas nun noch mehr überwacht werden als bisher. Menschenrechtsorganisationen kritisieren bereits seit langem, dass China unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung nicht nur vermeintliche Terroristen, sondern auch kritische Oppositionelle verschwinden lässt.

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