Zwei Kaukasus-Journalisten in Russland ermordet

Innerhalb eines Tages sind in Russland zwei Journalisten ermordet worden. In der russischen Teilrepublik Dagestan im Nordkaukasus wurde der Chef der staatlichen Rundfunk- und Fernsehanstalt, Gadschi Abaschilow, vor einem Geschäft in der Hauptstadt Machatschkala erschossen. Das teilte der russische Generalstaatsanwalt Juri Tschaika nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau mit. Tschaika übernahm persönlich die Leitung der Ermittlungen. Die Täter hätten die Schüsse aus einem Auto abgefeuert und seien dann entkommen.

Reporter tot in Wohnung aufgefunden

Zuvor war in Moskau der dagestanische Reporter Iljas Schurpajew in seiner Wohnung niedergestochen und mit einem Gürtel erdrosselt worden. Der Journalist des staatlichen Fernsehsenders „Erster Kanal“ hatte vor allem aus der Unruheregion Dagestan berichtet, aus der er selbst auch stammte und wo seine Frau mit dem gemeinsamen Kind lebt. Medien spekulierten über einen möglichen Zusammenhang zwischen beiden Verbrechen. Die Ermittler machten dazu zunächst keine Angaben.

Bisher kein Hinweis auf Motiv

Laut Polizei gibt es bisher keinen Hinweis auf ein berufliches oder politisches Tatmotiv im Fall Schurpajew. In seinem Weblog schrieb Schurpajew wenige Stunden vor seinem Tod, die Eigentümer einer Zeitung in Dagestan hätten eine von ihm geschriebene Kolumne verboten. Außerdem sei angeordnet worden, dass sein Name nicht mehr in Veröffentlichungen erwähnt werden solle. „Jetzt bin ich ein Dissident!“ lautete die Überschrift des letzten Eintrags im Internet unter seinem Namen. Er sei aber nie selbst politisch in Erscheinung getreten, betonte Schurpajew in dem Tagebuch.

Die Polizei fahndet in dem Moskauer Fall nach zwei Männern, die der Journalist aller Wahrscheinlichkeit nach gut gekannt und selbst in die Wohnung gelassen habe. Die Täter hätten nach dem Mord die Mietwohnung Schurpajews angezündet, um Spuren zu vernichten.

Journalistenvereinigung fordert rasche Aufklärung

Der Internationale Journalisten-Verband (IFJ) forderte rasche und unabhängige Ermittlungen zum Tod des Fernsehreporters. Der Fall scheine auf einen neuen gezielten Angriff auf Medien hinzuweisen, erklärte der IFJ am Freitag in Brüssel. „Wir sind schockiert über die Umstände von Schurpajews Tod“, sagte IFJ-Generalsekretär Aidan White laut einer Mitteilung. „Und wir fürchten, dass dies den Stempel eines gezielten Angriffs auf einen Journalisten trägt, der von der Frontlinie der Konflikte an Russlands Grenzen berichtete.“ Man habe die russische Partnerorganisation des IFJ gebeten, die Untersuchungen genau zu verfolgen.

Journalisten in Russland oft bedroht

Seit 2000 wurden in Russland mehr als ein Dutzend Journalisten getötet – oft wurden die Todesumstände nie vollständig aufgeklärt. Im November 2006 wurde die Kremlkritikerin Anna Politkowskaja auf dem Weg nach Hause erschossen. Sie hatte oft über Menschenrechtsverletzungen im Nordkaukasus berichtet. Die Täter sind bis heute nicht vor Gericht gestellt.

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