Erste Störung auf der „Reise der Harmonie“

Der Zeitpunkt war medienwirksam: Bei der Zeremonie zur Entzündung des olympischen Feuers sprach gerade der Chef des Pekinger Olympia-Komitees von der Harmonie zwischen den Völkern, da gingen hinter ihm Protestfahnen in die Höhe. Drei Franzosen wurden festgenommen. Das Feuer wurde später trotzdem entfacht, Harmonie aber will sich nicht einstellen.

Von Hans Michael Ehl, ARD-Hörfunkstudio Istanbul

Der Leiter des Pekinger Organisationskomitees Liu Qi sprach gerade von der Harmonie zwischen den Völkern, als ein Demonstrant eine schwarze Fahne in die Kameras hielt, auf der die olympischen Ringe in Form von Handschellen abgebildet waren. Nach Angaben der griechischen Behörden wurden wegen der Proteste drei Franzosen festgenommen. Sie sollen der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ angehören. Unter ihnen soll auch deren Gründer, Robert Menard, sein. Die Organisation wollte mit der Aktion für mehr Menschenrechte und gegen die Einschränkung der Meinungsfreiheit in China protestieren.

Zuvor hatte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, auf die Bedeutung des olympischen Fackellaufs und sehr diplomatisch auf seine Bedeutung für die Situation im Gastgeberland hingewiesen. „Die Fackel ist die Verbindung zwischen allen Athleten und Bürgern dieser Welt – zwischen uns allen, die wir an die olympische Idee und an die Tugenden des Sports glauben, die damit verbunden sind“, so Rogge. „Ich hoffe, der Fackellauf für die Spiele in Peking 2008 wird diese Mission erfüllen. Die Spiele in Peking werden nicht nur eine Zeit exzellenter sportlicher Wettkämpfe sein, sie sind auch eine Möglichkeit für die Völker Chinas, voneinander zu lernen, einander näher kennenzulernen und zu respektieren.“

IOC gegen Boykott

Rogge hat inzwischen erklärt, das IOC lehne einen Boykott der Spiele in Peking ab. Das IOC hoffe, der Tibet-Konflikt werde so bald als möglich friedlich beigelegt werden, die Spiele könnten auch ein Katalysator sein für eine Veränderung in dem Land.

Insgesamt 22.000 Fackelläufer werden die Flamme nun über alle fünf Kontinente tragen. Zunächst wird das Feuer nach Athen gebracht, anschließend nach Peking. Von dort soll die Flamme 137.000 Kilometer auf eine „Reise der Harmonie“ gehen. Die Harmonie aber währte nicht lange. Der Fackellauf wurde schon auf den ersten Kilometern von antichinesischen Protesten begleitet.

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