„Wir werden über die Spiele berichten“

Die ARD wird trotz der Unruhen in Tibet über die Olympischen Spiele in China berichten. Allerdings werde man die Entwicklung in dem Land genau beobachten und gegebenenfalls neu über einen Boykott entscheiden, wenn es die Situation erfordere, sagt NDR-Sportchef Balkausky im tagesschau.de-Interview.

tagesschau.de: Angesichts der Unruhen in Tibet ist eine Diskussion um einen möglichen Boykott der Olympischen Spiele entbrannt. Wird die ARD über die Spiele berichten?

Axel Balkausky: Ja, wir werden – nach heutigem Stand der Dinge – über die Wettkämpfe berichten. Nachdem sich auch die Bundesregierung und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gegen einen Boykott entschieden haben, gehen wir davon aus, dass die ARD ebenfalls nach China geht und über die Spiele berichtet. Aber wir werden natürlich sehr genau hinschauen, was sich in den kommenden Wochen und Monaten dort tut.

tagesschau.de. Wie wird die Berichterstattung aussehen?

Balkausky: Wir werden weiter über alles, was in China passiert, kritisch berichten. Wir haben dafür gesorgt, dass unser Studio in Peking im Vorfeld verstärkt wird – so dass wir noch größere Möglichkeiten zur politischen Berichterstattung haben. Wir werden im Ersten vor den Olympischen Spielen mehrere Dokumentationen zeigen, die sich mit China beschäftigen, unter anderem mit den Themen Menschenrechte und Doping. Und wir werden natürlich auch während der Olympischen Spiele genau auf die politische Entwicklung gucken – auch in unseren Sendungen.

tagesschau.de: Gibt es ein Szenario, bei dem die ARD einen Boykott beschließen würde?

Balkausky: Es ergibt keinen Sinn, heute ein konkretes Szenario zu beschreiben, ab wann ein Boykott sinnvoll ist. Das werden wir beobachten und dann aktuell entscheiden. Eine solche Entscheidung muss man auch sehr genau abwägen und sich die Frage stellen, ob es nicht vielleicht sinnvoller ist, genau zu beobachten und zu berichten, was in China passiert, als das Land zu verlassen. Und dann frage ich mich auch, warum man vom Sport etwas verlangt, was Politik und Wirtschaft in bezug auf China nie erwogen haben. Denn es gibt ja nach wie vor politische und – sehr gute – wirtschaftliche Beziehungen zu dem Land.

Das Interview führte Sabine Klein, tagesschau.de

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