Mönche protestieren vor ausländischen Journalisten

Dutzende tibetische Mönche haben während einer von den chinesischen Behörden organisierten Journalisten-Visite in der tibetischen Hauptstadt Lhasa eine Protestkundgebung abgehalten. Wie mehrere Medien und ein Augenzeuge berichteten, demonstrierten die Mönche im Jokhang-Tempel gegen die chinesische Politik und für das geistliche Oberhaupt der Tibeter, den Dalai Lama.

Die Mönche unterbrachen demnach die Rede eines chinesischen Regierungsvertreters, der sich zu den Unruhen in Lhasa äußerte. Der Regierungsvertreter sei ein Lügner, riefen sie. „Tibet ist nicht frei. Tibet ist nicht frei“, schrie ein junger Mönch. Der Dalai Lama sei an den jüngsten Ausschreitungen nicht Schuld, erklärten die Mönche.

Regierungsangestellte versuchten daraufhin, die 26 ausländischen Journalisten von den protestierenden Mönchen wegzudrängen.

„Bitte helft uns!“

In Lhasa war nach den Berichten mehrerer Journalisten noch immer Brandgeruch wahrzunehmen. Die meisten Tibeter seien zu ängstlich, um Auskünfte zu erteilen. Ein Lehrer habe jedoch gesagt „Bitte, helft uns!“, berichtete ein „Financial Times“-Reporter. Die Journalisten wurden von chinesischen Offiziellen aufgefordert, in der Gruppe zusammenzubleiben, weil es „hier immer noch nicht sicher ist“.

Die Delegation war gestern zu einem dreitägigen Aufenthalt in Lhasa eingetroffen. Sie wurde von chinesischen Behördenvertretern streng überwacht. Zu den von den Behörden ausgesuchten 26 Teilnehmern von 19 Medien gehörten Journalisten des „Wall Street Journal“, der „Financial Times“, der Tageszeitung „USA Today“, des arabischen Nachrichtensenders Al Dschasira und der Nachrichtenagentur AP. Andere wichtige Medien wurden nicht zugelassen. Die chinesischen Behörden begründeten dies mit logistischen Problemen.

Nach den amtlichen chinesischen Darstellungen wurden bei den anti-chinesischen Protesten bislang 20 Menschen von Tibetern getötet, davon 19 in Lhasa. Tibetische Exil-Vertreter sprechen von 135 bis 140 Toten durch die Niederschlagung der Proteste seitens der chinesischen Sicherheitskräfte.

Original, Google Cache, archive.org

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