Bafin schließt Weserbank wegen Überschuldung

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat die Weserbank in Bremerhaven geschlossen. Die Bafin habe die Schließung des überschuldeten Instituts für den Verkehr mit der Kundschaft angeordnet und der Bank untersagt, Zahlungen entgegenzunehmen, die nicht zur Tilgung ihrer Schulden bestimmt seien, teilte die Behörde in Bonn mit. Beim Amtsgericht Bremerhaven habe die Behörde zudem Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens für die Bank gestellt. „Die Bank ist dicht“, sagte eine Sprecherin der Bafin.

Geld der Kunden geschützt

Die Einlagen der Kunden der Weserbank sind laut Bafin geschützt. Die Weserbank gehöre der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken und dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken (BdB) an. Dem BdB zufolge sind Kundengelder bis zur sogenannten Sicherungsgrenze von 1,832 Millionen Euro pro Einleger geschützt. Sofern die Weserbank nicht in der Lage sein sollte, die bei ihr unterhaltenen Einlagen zurückzuzahlen, werde sich der Einlagensicherungsfonds mit den Kunden „in Verbindung setzen mit dem Ziel, diese kurzfristig zu entschädigen“.

Bafin: „Finanzkrise war nicht entscheidend“

Der Chef der Bank führte die Insolvenz des Instituts auf die Folgen der Finanzmarktkrise zurück. „In einem normalen Marktumfeld hätte die Bank niemals geschlossen werden müssen“, sagte Gerold Lehmann der Nachrichtenagentur Reuters. So hätten Anleihen im Anlagebestand dramatisch an Wert verloren, was die Refinanzierung erheblich erschwert habe. Es habe Gespräche mit zahlreichen potenziellen Käufern gegeben, die aber im aktuellen Marktumfeld alle gescheitert seien, sagte Lehmann.

Die Bafin wies Lehmanns Darstellung zurück. „Die Krise war nicht der entscheidende Faktor“, sagte eine Sprecherin der Behörde. Auch ohne die Marktturbulenzen wäre es wohl zu einer Schließung gekommen. Die Bank hat sich nach eigenen Angaben „von der Viehmarktsbank in Bremerhaven zur Investmentbank in Frankfurt“ entwickelt. Das Investmentgeschäft betreibt sie seit Juli 2006 und hat sich dabei auf die Begleitung mittelständischer Unternehmen an den Kapitalmarkt spezialisiert. Diese Umstellung des Geschäftsmodells ist laut Bafin Grund der Insolvenz: Die Weserbank sei seitdem nicht mehr in der Lage gewesen, dauerhaft die Erträge zu erwirtschaften, die zur Deckung der laufenden Kosten notwendig gewesen wären.

Knapp 25 Millionen Euro Schulden bei Kundschaft

Die Bank hat ihren Sitz in Bremerhaven und eine Niederlassung in Frankfurt am Main. Ihre Bilanzsumme betrug zum Ende des Jahres 2007 rund 120,4 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten gegenüber ihren Kunden beläuft sich laut Bafin auf knapp 24,9 Millionen Euro. Zuletzt hatte die Bafin im August 2006 eine Bank geschlossen. Auch damals war mit dem Institut Reithinger eine Privatbank betroffen.

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