Kannst Du mich jetzt hören?

Heute gibt es nur noch eine Minderheit, die ohne Handy das Haus verlässt – eine Entwicklung, die vor nicht allzu langer Zeit kaum jemand für möglich gehalten hat.

Dabei hatte es die Technik lange Zeit sehr schwer: Vom ersten Prototyp bis zum Massenphänomen brauchte die Erfindung rund ein Jahrhundert, und ihr Wegbereiter ist weitgehend vergessen: Nathan Stubblefield, ein Melonenfarmer aus Kentucky, erhielt am 12. Mai 1908 das US-Patent Nr. 887357 für das erste drahtlose Telefon. Er gründete auch gleich den wohl ersten Mobilfunk-Provider, die „Wireless Telephone Company of America“.

Ich glaube, ich höre was

Stubblefields Apparat ist problemlos tragbar – vorausgesetzt, man kennt ein paar kräftige Leute, die einem dabei helfen. Ursprünglich war das Gerät für die Kommunikation mit Booten und Zügen gedacht. Zudem musste man seine Basisstation mitbringen, die aus diversen Telegraphenmasten mit dazwischen gespannten Drähten besteht. Maximale Reichweite: rund 400 Meter. Ein zeitgenössischer Reporter berichtete enthusiastisch von den ersten Testvorführungen: Das Gerät sei in der Lage, komplette Sätze verständlich zu übertragen, vorausgesetzt, die Batterie sei voll geladen.

Ein Visionär ohne Fortune

Zu den weiteren Testsignalen gehörten Harmonika-Musik und Gong-Schläge, die ein Gespräch ankündigen sollten. Ob Stubblefield damit bereits das einträgliche Klingeltongeschäft vorausahnte, wird sich wohl nie herausfinden lassen – als Geschäftsmann war ihm jedenfalls wenig Erfolg beschieden: Der Erfinder wurde von seinen Investoren ausgebootet und zog sich verbittert für die nächsten 15 Jahre in seinen Experimentierschuppen zurück. Nachbarn berichten von eigenartigen Licht- und Tonerscheinungen aus dem Gebäude. Ihn selbst bekamen sie jedoch kaum noch zu Gesicht, bis er 1928 verhungerte.

Original, Google Cache, archive.org

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