„Vorwärts, Russland, vorwärts“

Dass Fußball und Musik untrennbar miteinander verknüpft sind, belegen nicht nur die Männergesangsvereine in den Fankurven der Republik. Auch die deutschen Kicker trällern gern mal ein lustiges Liedchen. Alle vier Jahre stellte sich die Nationalmannschaft in Trainingsanzügen hinter ein Mikrofon und intonierte passend zum Gastgeberland der jeweiligen Fußball-Weltmeisterschaft eingängige Schnulzen.

„Mexico mi amor“

1982 rief Michael Schanze „Das Herz hat einen Namen“ und das Team um Karl-Heinz Rummenige und Horst Hrubesch antwortete „Olé Espana“. Vier Jahre später sangen Klaus Allofs und Rudi Völler an der Seite von Peter Alexander „Mexico mi amor“ und erzählten von Liebe und Hoffnung, die „brennen wie Feuer unter der Haut“. Und vor dem WM-Titel 1990 johlten Jürgen Klinsmann und Lothar Matthäus gemeinsam mit Udo Jürgens siegessicher: „Hier wird der Frust von unbändiger Lust in den Schatten gestellt.“

Hinter so viel Sangeskunst aus dem Land von Bach und Beethoven wollen die russischen Fußball-Fans nicht zurückstehen. Passend zur Europameisterschaft in der Schweiz und Österreich hat Parlamentspräsident Boris Gryslow eine Hymne für die russische Nationalelf komponiert – als moralische Unterstützung für die Mannschaft. Der Kapitän eines Thekenteams von Abgeordneten fand einfache Worte für den Text des Jubellieds: „Russland, vorwärts! Wir sind an der Reihe! Russland, vorwärts! Es wartet Siegesweihe!“ Der rauchige Popsong soll als CD zum Verkaufsschlager werden.

Schwelgen in Erinnerungen

Um den Erfolg des eigenwilligen Zusammenspiels von Sport, Politik und Kultur zu garantieren, erschien die Hymne auch als Video mit Zeugnissen der russischen Fußballgeschichte. Brave Sowjetbürger mit Arbeitermützen und hochdekorierte Offiziere bejubeln in nostalgischen Schwarz-Weiß-Bildern historische Siege wie den EM-Titel 1960. Doch die selbsternannte Hymne an den russischen Fußball soll vor allem die kollektive Begeisterung der Fans für das anstehende Turnier und die eigene Mannschaft wecken. Das passt zu Gryslow, dessen Partei den Namen „Einiges Russland“ trägt.

Original, Google Cache, archive.org

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