Yves Saint Laurent ist tot

Nach langer Krankheit ist Yves Saint Laurent im Alter von 71 Jahren gestorben. Er galt als einer der bedeutendsten Modeschöpfer des 20. Jahrhunderts und hat wie kaum ein anderer die Entwicklung der Damenmode geprägt.

Von Angela Ulrich, ARD-Hörfunkstudio Paris

Eine übergroße, dunkle Kasten-Brille, hinter der sich kurzsichtige Augen versteckten, war sein Markenzeichen: Yves Saint Laurent war ein scheuer Mann. Und gleichzeitig ein Revolutionär, der wie kaum jemand anders Modegeschichte geschrieben hat. Mitte der 60er Jahre wurde Saint Laurent berühmt mit dem Smoking für die Dame. „Er war mehr als ein Provokateur, er war ein echter Schöpfer, ein libertärer Anarchist, der Bomben in die Mitte der Gesellschaft warf – so befreite er die Frauen“, sagt sein langjähriger Freund und Partner Pierre Bergé.

Übernahm das Haus Dior

Yves Saint Laurent erfand das Trapezkleid, um den Frauen die einengende Wespentaille zu ersparen. Damals war er gerade erst Mitte 20, hatte nach dem Tod von Modepapst Christian Dior dessen Haus übernommen und schon mit seiner ersten Kollektion Ende der 50er Jahre überschwänglichen Jubel geerntet, wie eine Radio-Reporterin berichtete: „Ich habe mich hier auf den Balkon gerettet, so sehr ist Yves Saint Laurent von der Menge überrannt worden.“ Er habe versucht, durchs Fenster zu ihr zu kommen. Sie seien eingezwängt gewesen „wie die Sandwiches“!

Schon als Kind mochte er Kleider

1936 wird Yves Saint Laurent in Algerien geboren. Schon als Kind entdeckt er seine Neigung zu Kleidern, später seine Homosexualität, aber auch seinen Hang zu Schwermütigkeit. „Er ist jemand, in dessen Innerem es so brodelte, der ein Bedürfnis hatte, etwas zu schaffen. Dazu hat er sich von der Welt abgeschnitten. Er hatte Depressionen, das ist kein Geheimnis!“, sagt eine seiner engsten Mitarbeiterinnen Dominique Deroche.

Skandalträchtiger „Nackt-Look“

Im Geschäftsmann Pierre Bergé findet Yves Saint Laurent nicht nur einen Lebenspartner, sondern auch einen findigen Financier und Kunstfreund. Beide gründeten 1962 das eigene Modehaus. Mit durchsichtigen Stoffen, dem sogenannten Nackt-Look, sorgt Yves Saint Laurent für einen Skandal. Später kommen Parfüm und Accesoires hinzu. Wie konnte aus einem oft so angsterfüllten Mann, von Zweifeln getrieben, solche Kreativität sprudeln? „Ich habe einfach eine Gabe“, sagte Saint Laurent selbst: „Das ist geheimnisvoll, aber die Natur hat mir ein Talent gegeben: zu wissen, zu spüren, was die Frauen wünschen. Und das zur richtigen Zeit. Dazu muss ich nicht rausgehen und reisen. Ich habe einfach gute Antennen.“

Kittel, Matrosenjacken, Trenchcoats, und glitzernde, exotische Abendroben. Yves Saint Laurent ließ sich auch von seiner Liebe zur Kunst inspirieren. Seinen Abschied nahm er 2002. „Ich weiß, dass ich die Mode vorangebracht habe und den Frauen ein bisher verbotenes Universum geöffnet habe“, zieht er nach 40 Jahren unbescheiden Bilanz.

„Nichts ist schöner als ein nackter Körper“

Saint-Laurents weitverzweigtes Imperium gehört heute zum französischen Luxuskonzern PPR. Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat ihn als einen gewürdigt, der Haute Couture zur Kunst erhoben habe. Für Premierminister Fillon war Saint Laurent ganz schlicht ein Genie. Yves Saint Laurent selbst hat seinen Auftrag einmal so beschieben: „Nichts ist schöner als ein nackter Körper. Das schönste Kleidungsstück, das eine Frau tragen kann, ist die Umarmung eines Mannes, der sie liebt. Und für die, die dieses Glück nicht finden, bin ich da!“

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