Weltpolitik in 20 Minuten

Politisch hat der Abschiedsbesuch von US-Präsident George W. Bush wenig gebracht. Aber eines zeigte sich ganz deutlich. Die Chemie zwischen ihm und der Gastgeberin Bundeskanzlerin Merkel stimmt.

Von Georg Schwarte, NDR, ARD Hauptstadtstudio Berlin, zzt. in Meseberg

Eine Wanderung durch die Mark Brandenburg gab es zwar keine, dafür machte US-Präsident George W. Bush aber eine morgendliche Ausfahrt auf dem Mountainbike. Seine Sicherheitseskorte immer dabei. Später flanierte der Gast mit Kanzlerin Merkel durch den Schlosspark, bevor man sich für anderthalb Stunden zu bilateralen Gesprächen zurückzog.

Danach bedankte sich Bush für die Einladung und sagte mit einem Blick Richtung Schloss Meseberg: „Bescheidene Hütte am See“. Und dann räumte er mit einem weiteren Vorurteil auf. Bezug nehmend auf den Belitzer Spargel, der am Abend zuvor serviert worden war, machte er deutlich: „Wer glaubt, ich mag so was nicht – ganz falsch!“ Die Kanzlerin dankte ihm mit einem Lächeln.

Merkel und Bush drohen Iran mit Sanktionen

Danach wurde es dann ernsthaft. Weltpolitik komprimiert in 20 Minuten. Beim Stichwort Afghanistan dankte Bush auf der Pressekonferenz für das deutsche Engagement. Ausführlicher wurde er erst beim nächsten Krisenherd: Iran und dessen Atomprogramm. Alle Optionen seien auf dem Tisch, betonte der US-Präsident. Derzeit setze er auf eine diplomatische Lösung, aber auch schärfere Sanktionen gehörten zum Instrumentarium eines Diplomaten. Merkel sekundierte ihm, streckte allerdings deutlicher als ihr Gast die Hand aus Richtung Teheran. Wenn Iran Vernunft annehme und die Uran-Anreicherung beende, stünden ihm nach wie vor alle Türen offen. Sollte er dies jedoch nicht tun, werde man agieren, auch mit neuen Sanktionen, sagte Merkel.

Wenig Substantielles bei der Klimapolitik..

Auf Bushs Agenda kam der Klimaschutz heute erst im Mittelfeld. Erst gestern hatte er der erstaunten Welt erklärt, noch in seiner Amtszeit werde es ein weltweites Klimaabkommen geben. Merkel sprach vorsichtiger von Fortschritt, setzt auf den kommenden G8-Gipfel in Japan im Juli. Sie halte es aber für einen großen Erfolg, dass man inzwischen von „targets“ spreche, und nicht mehr nur über Zielverpflichtungen.

.. dafür Prima Klima in der Mark Brandenburg

Ein prima Klima herrschte vor allem zwischen den Beiden. Bush versicherte, dass er bis zur letzten Minute seiner Präsidentschaft arbeiten werden. Ein Hauch von Bilanz und Wehmut schwang dann aber doch mit, als er das deutsch-amerikanische Verhältnis beschreiben sollte. Alles in allem seien die Beziehungen stark und das sei wichtig, sagte Bush. Und dies verband er auch mit der deutschen Kanzlerin. Er dankte „Madame Chancellor“ ausdrücklich für ihre Freundschaft.

Merkel erwiderte auf ihre gewohnt trockene pragmatisch-praktische Art: „Was die Beziehungen anbelangt, so wissen Sie, dass unsere Beziehungen freundschaftlich, direkt und auch sehr konstruktiv sind. Wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt, dann haben wir sie beim Namen genannt.“ In der Kooperation mit Bush mache ihr Spaß, dass man nicht um den heißen Brei herumrede.

Bush zeigt beim Thema Irak keine Reue

Den heißen Brei „Irak-Krieg“ hatte Bush da bereits von sich aus angesprochen. Er wisse, dass dieser Krieg hier in Deutschland sehr umstritten sei. Aber das gemeinsame Ziel – Frieden im Nahen und Mittleren Osten – sei es nicht. Nachdenklich klang er da, aber als ein Journalist den Präsidenten fragte, ob er den Krieg bedauere, da war er dann unmissverständlich. „Kein Bedauern“, betonte er. Die Entmachtung Saddam Husseins sei ein Erfolg. Nur seine Wortwahl sei nicht immer glücklich gewesen.

Einsichten in der Mark Brandenburg, in der es dann nach Spargel am Vorabend, doch noch eine schnelle Grillparty gab, bevor der Präsident in Richtung Rom weiterflog.

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