Kampf um das Recht auf Sterbehilfe

Der Bundesrat berät heute über ein neues Gesetz zum Verbot der Sterbehilfe in Deutschland. In Australien war Sterbehilfe 1996 zum weltweit ersten Mal erlaubt – doch dieses Recht währte nur kurz. Jetzt debattiert das Land eine erneute Aufhebung des Verbots.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Hörfunkstudio Südostasien

Seit im vergangenen Monat zwei Frauen in Sydney wegen Beihilfe zum Selbstmord schuldig gesprochen wurden, ist in Australien die Diskussion um die Legalisierung der Euthanasie voll entbrannt. In den Northern Tertitorries, einem der acht australischen Bundesstaaten, war Euthanasie 1996 weltweit zum ersten Mal gesetzlich zugelassen worden. Vier todkranke Patienten hatten sich damals – während das Gesetz in Kraft war – das Leben genommen. Nur acht Monate später hob ein australisches Bundesgesetz das Recht zur Selbsttötung wieder auf.

Tödliches Medikament importiert

Seit Monaten kämpfen Lobby-Gruppen um eine Legalisierung des Freitods von todkranken Menschen. Bei den schuldig gesprochenen Frauen aus Sydney handelte es sich um die Ehefrau eines 71 Jahre alten Alzheimer-Patienten und ihre Freundin. Sie hatten ein Medikament zur Selbsttötung importiert und dem Mann geholfen, es einzunehmen. Vor Gericht hatten sie ausgesagt, der Mann habe in Würde sterben wollen. Das Gericht war jedoch der Meinung, den Frauen sei es um das Millionenerbe gegangen.

Philipp Nitschke, einer der bekanntesten australischen Befürworter des Rechts auf Selbsttötung, war entsetzt über das Urteil. „Ich bin sehr sehr enttäuscht von dieser Entscheidung. Das ist eine entsetzliche Botschaft an ältere Menschen, vor allem an diejenigen mit Alzheimer oder die Angehörigen, die sich um Alzheimer-Patienten kümmern“, sagte er. „Jetzt werden viel mehr Menschen, die wissen, dass sie Alzheimer haben, ihr Leben vorzeitig beenden und zwar viel früher als es nötig wäre.“ Denn sie wüssten, wenn sie zu lange warteten, könne es zu spät sein.

Wenig Chancen für Aufhebung des Euthanasie-Verbots

Der australische Bundessenat debattiert seit längerem über die Aufhebung des Euthanasie-Verbots aus dem Jahr 1996. Die australischen Grünen haben deutlich gemacht, dass sie eine erneute Zulassung der Euthanasie in den Northern Territories unterstützen würden. Rechtsexperten halten das jetzt nach dem jüngsten Gerichtsurteil wegen Beihilfe zum Selbstmord für wenig aussichtsreich. „Ich glaube, ein Ergebnis dieses Urteils wird sein, dass die Bundessenatoren eine mögliche Zulassung des Euthanasie-Gesetzes in den nördlichen Territorien noch mal überdenken werden“, sagte Cameron Steward, Jura-Professor an der Macquarie Universität in Sydney, im australischen Rundfunk. „Das Urteil wird die Position der Regierung gegenüber der Freigabe der Euthanasie sicher beeinflussen.“

Über das Strafmaß wegen der Beihilfe zum Selbstmord soll im Oktober entschieden werden. Das Urteil gegen die beiden Frauen lautete auf Totschlag und Beihilfe zum Totschlag und kann in beiden Fällen mit bis zu 25 Jahren Gefängnis bestraft werden.

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